Über das Thema, ob es sinnvoll ist, die Testergebnisse von Laboren selbst zu beurteilen, möchte ich in diesem Artikel sprechen, weil ich es sehr wichtig finde, euch diesbezüglich die Angst zu nehmen und Fehlinformationen, Fehldiagnosen und darauf möglicherweise basierende Fehlbehandlungen zu vermeiden. Die Auswertungen können gegebenenfalls Fehler enthalten, sodass ich dringend dazu rate, sich nicht einfach nur darauf zu verlassen, was dort geschrieben steht.

Wie die Normwerte zustande kommen und was sie bedeuten

Jedes Labor hat seine eigenen Normwerte. Schilddrüsenerkrankten ist es vielleicht schon aufgefallen, dass die Range diesbezüglich sehr unterschiedlich sein kann. Selbst wenn es immer Pikogramm pro Milliliter sind, gilt bei einigen Laboren der Normwert für den T3 bis 4,9, beim nächsten Labor bis 5,5 und bei anderen vielleicht sogar bis 6,2. Und so stellt sich die Frage, wie hoch er denn tatsächlich sein sollte.

Es ist also sehr wichtig zu wissen, dass jedes große Labor im Prinzip seine eigenen Normwerte aufstellt und sich diese aus dem Mittelwert ergeben. Jedes Labor bezieht sich auf seine eigenen Daten, die es zum Beispiel im letzten Jahr erhoben hat und legt darauf basierend seinen Median fest. Der Median ist der Mittelwert aus den Auswertungen aller Personen, die in diesem Fall untersucht worden sind. Daraufhin wird die Gaußsche Verteilungskurve betrachtet und beschlossen, dass sich alles, was drei Prozent darunter oder drei Prozent darüber ist, außerhalb des Normbereiches befindet.

Der ermittelte Normwert kann bei den verschiedenen Laboren sehr stark divergieren – je nachdem, ob und wie viele Menschen mit bestimmten Erkrankungen in dem jeweiligen Labor untersucht worden sind, ob es viele junge Menschen oder eher viele ältere Menschen waren und weitere ähnliche Anhaltspunkte.

Ein Beispiel

Stellen wir uns ein Labor vor, welches viele junge Hochleistungssportler untersucht, die total fit sind und vielleicht alle einen super Stoffwechsel und einen prima T3-Status haben. In diesem Fall wird sicherlich eine ganz andere Norm-Range ermittelt als bei einem Labor, in welchem im Wesentlichen schilddrüsenerkrankte Menschen untersucht werden, die alles andere als gute Werte haben.

Der jeweilige Normwert der beiden Labore wird demzufolge völlig unterschiedlich sein. Deswegen ist es so wichtig, dass man weiß, wo die Werte funktionell liegen sollten.

In den USA wurde relativ viel dazu geforscht. Man hat junge Studenten untersucht, um zu ermitteln, was denn die tatsächlichen Werte sind, die ein gesunder „Norm-Mensch“ haben sollte. Und das sind für mich auch die Richtungsweiser, an denen ich mich orientiere, wenn ich Laborwerte auswerte und nicht unbedingt die, die sich innerhalb der Normkurve befinden.

Und das ist jedoch auch das Problem mit diesen Prozentberechnungen bei Schilddrüsenwerten, die sich gerade so eingebürgert haben. Es ist gut, das in Prozenten auszurechen, weil man es sich besser vorstellen kann. Problematisch in dem Falle ist eben, dass es extrem stark abweichen kann.

T3, TSH und Ferritin

Wenn ihr bei einem Labor seid, wo der T3-Wert bis in einen sehr hohen Bereich dargestellt wird, dann sieht das total schlecht aus auf eurem Papier, aber vielleicht habt ihr für eure Verhältnisse trotzdem eigentlich schon einen relativ guten Wert. Über 4,0 Pikogramm pro Milliliter sind gut. Es ist ein guter, funktionierender Stoffwechsel. Und das ist das, wo ihr ungefähr hinkommen und euch dann fragen solltet, wie ihr euch damit fühlt.

Wenn man ein gesunder Mensch ist und nichts für einen besseren TSH-Wert nimmt, sollte dieser bei 1,0 liegen. Alles über 2,5 ist nicht normal, auch wenn das Labor eine Kurve angibt, die höher geht.

Das sind so Dinge, die euch einfach bewusst sein sollten. Bei der Range werden zum Teil einfach extrem große Spannen angegeben, wie zum Beispiel beim Eisen. Beim Eisen wurde überlegt welche Spanne man für die Gaußsche Verteilungskurve ansetzen kann. Man hat sich dazu grundlegend daran orientiert, ab wann wirklich lebensbedrohliche Probleme auftreten können. Bei den meisten Laboren geht die Range für das Ferritin von 15 bis 150 – also um eine ganze Zehnerpotenz mehr. Und da sagt einem der gesunde Menschenverstand schon, dass es einem mit 15 nicht so geht wie mit 150. Es ist sehr wichtig, sich das klarzumachen. Normal heißt nicht optimal.

Die Bedeutung von Spezifität und Sensitivität

Da es den meisten vielleicht gar nicht bewusst ist oder sie einfach nicht wissen, was die Begriffe Spezifität und Sensitivität bedeuten, möchte ich erklären, was es damit eigentlich auf sich hat.

Was versteht man unter Spezifität?

Fällt der Test positiv aus, wenn man sich zum Beispiel auf eine Krankheit testen lässt auf einen EBV (Epstein-Barr-Virus), wie wahrscheinlich ist es dann, dass man tatsächlich EBV hat oder aber der Test einfach fehlerhaft ist und fälschlicherweise ein positives Ergebnis angezeigt wird? So kann man die Spezifität erklären.

Wenn der Test eine Spezifität von 70 hat, dann ist das positive Ergebnis zu 70 Prozent richtig und zu 30 Prozent falsch. Deshalb ist es so wichtig, dass die Spezifität möglichst hoch ist, denn es gibt fast nichts Schlimmeres als ein fälschlicherweise positives Ergebnis, sodass man denkt, man hat eine Krankheit.

Und was bedeutet Sensitivität?

Die Sensitivität zeigt das Maß der Wahrscheinlichkeit an, ob der Test tatsächlich aussagt, dass man die Krankheit hat – also die Rate an fälschlicherweise negativen Ergebnissen.

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Ein Borrelien-Test hat beispielsweise nur eine Sensitivität von 20 Prozent. Demzufolge werden nur 20 Prozent aller Menschen, die Borrelien haben, mit diesem Test tatsächlich erkannt. Die anderen 80 Prozent der getesteten Menschen, die an Borrelien erkrankt sind, fallen einfach hinten runter.

Der Candida-Test im Urin hat auch nur eine Sensitivität von 20 Prozent. Es werden also auch nur 20 Prozent aller Untersuchten, die irgendwo Candida in ihrem Körper haben, mit dem Test erkannt. Dieser Test ist somit überhaupt nicht gut. Dafür sollte man kein Geld ausgeben. Es gibt andere Tests, die zwar etwas teurer sind, aber bei denen die Chance wesentlich höher ist, auch wirklich ein verwertbares Ergebnis zu bekommen. Macht man also einen Test mit einer Sensitivität von 20 Prozent und es wird angezeigt, dass man kein Candida hat, dann weiß man noch immer nicht so richtig, ob man betroffen ist oder nicht. Der Test ist zu 80 Prozent ungenau und man ist nach ihm nicht viel schlauer als vorher. Wenn jedoch der Test mit einer möglichst höheren Sensitivität positiv ausfällt, dann kann man relativ sicher sein, dass man Candida hat oder nicht hat.

Ich wähle daher nach Möglichkeit immer einen verlässlicheren Test oder empfehle oft eine Kombination aus verschiedenen Tests. Wenn ich zum Beispiel herausfinden will, ob jemand eine Gluten-Sensitivität hat, würde ich immer einen Gliadin-Antikörper-Test machen, zudem ein LTT und noch einen weiteren.

Die Auswertung

Wenn ihr über einen Anbieter einen Test macht, bei dem ihr diesen selbst bestellen könnt oder wenn ihr zu einem freien Labor geht und Blut abnehmen lasst, dann bekommt ihr normalerweise eine Auswertung. Dort steht so einiges drauf und wahrscheinlich ist die Auswertung auch von irgendeinem Arzt unterschrieben worden.

Das Problem dabei ist, dass sich die Ergebnisse kein Arzt angeschaut hat – zumindest nicht aufmerksam. Der Arzt hat vielleicht die Auswertung einmal kurz überflogen, aber im Wesentlichen unterschreibt er das Computerprogramm mit einem Algorithmus auswirft. Und das ist überhaupt nicht aufeinander abgestimmt.

Ganz oft stimmen die Laborergebnisse nicht. Wenn die Cortisol-Werte beispielsweise sehr, sehr niedrig sind und unter eine bestimmte Grenze fallen, dann wirft der Algorithmus des Labors das Ergebnis aus, dass eine Nebennierenschwäche festgestellt wurde und das taucht dann in diesem Befund auf. Das muss aber nicht zwangsläufig heißen, dass man wahrhaftig eine Nebennierenschwäche oder eine Nebenniereninsuffizienz hat. Es kann sehr gut sein, dass es ein Auswertungsfehler des Computers ist.

Es müsste eigentlich beurteilt werden, wie der DHEA-Spiegel im Zusammenhang mit den Cortisol-Werten und mit der Kurve des Cortisols ist. Denn der Verlauf der Kurve ist viel entscheidender als die Einzelwerte.

Sehr wichtig: Verlasst euch nicht auf das, was in der Auswertung steht. Viele Aussagen auf den Testergebnisprotokollen sind schlicht und ergreifend nicht korrekt, nicht für jeden Menschen das Non plus Ultra und deswegen mitunter sogar gefährlich. Menschen sind verschieden und entsprechen nicht immer der Norm. Ein Computer ist jedoch nicht in der Lage, Unterschiede zu machen.

Autoimmunerkrankungen: Laborergebnisse selber beurteilen?

Wenn zum Beispiel ein bestimmter Marker positiv wird, könnte das Anzeichen für einen Tumor sein. Und was passiert, wenn man so ein Ergebnis bekommt? Man bricht logischerweise total in Angst und Panik aus. In diesem Fall ist es sehr wichtig zu wissen, dass dieser Satz in der Auswertung steht, wenn dieser Wert 0,1 Punkte über dem vom Computeralgorithmus als normal gewerteten Ergebnis liegt. Das bedeutet selbstverständlich und mit fast hundertprozentiger Sicherheit nicht, dass man einen Tumor hat, wenn der Wert 0,1 Punkte über der Norm ist.

Informiert euch immer noch einmal selbst, versucht das in die richtigen Zusammenhänge zu bringen und richtet euch nicht grundsätzlich danach, was dort geschrieben steht. Lasst euch von einer solchen Auswertung nicht völlig verrückt machen.

Wenn man so ein Ergebnis bekommt, ist es wichtig, dass man das nachprüfen lässt. Am besten nach etwa zwei Monaten, oder – wenn man ängstlich ist – vielleicht auch eher. Nimmt man jetzt zum Beispiel einen Tumor-Marker der Brust ab und der ist positiv, dann würde man einen Brust-Ultraschall machen lassen und vielleicht sogar zur Mammographie gehen. Aber sich beispielsweise der Belastung einer Darmspiegelung auszusetzen, das ist nochmal etwas ganz anderes. In diesem Fall würde ich lieber ein Folgeergebnis ermitteln lassen und schauen, ob es wirklich korrekt ist.

Das Phänomen mit dem Progesteron

Progesteron peakt im Speichel. Angenommen, man nimmt ein bisschen Progesteron-Creme und trägt diese auf die Schläfen auf – also auf sehr dünne Haut – und macht eine halbe Stunde später eine Speichelprobe, dann wird das Ergebnis viel zu hoch sein. Warum? Weil Progesteron im Speichel nach der Aufnahme über die Haut oder über die Schleimhäute ein extremen Peak macht. Wenn man es aber im Blut abnimmt, bekommt man im Blut überhaupt keinen Nachweis zum Progesteron, weil das auf die Haut aufgetragene Progesteron im Blut fast gar nicht nachweisbar ist. Andersherum kann man Progesteron, was man über die Schleimhaut oder oral aufnimmt, nur ganz schwer im Speichel nachweisen und erhält seltsame Werte. Im Blut wiederum kann das aber hervorragend nachgewiesen werden.

Das sind so die Dinge, bei denen man wissen muss, wie das zu beurteilen ist. Progesteron im Speichel sollte man also eigentlich immer nur beurteilen, wenn man damit eine Pause gemacht hat, weil man ansonsten diese Peaks auslösen kann.

Eine zweite große Problematik beim Progesteron im Speichel ist, dass es Menschen, die nicht ganz schlank sind, leider im Unterhaut-Fettgewebe anlagern und es deshalb zum Teil zu langfristig deutlich erhöhten Werten im Speichel kommen kann, auch wenn das Progesteron dem ganzen Körper eigentlich gar nicht zur Verfügung steht. Dennoch kommt es zu den Peaks, denn das Progesteron wurde im Unterhaut-Fettgewebe eingelagert und wird mit einbezogen.

Kann man einen zu hohen Vitamin-D-Wert haben?

Ein zu hoher Vitamin-D-Wert ist eigentlich nicht möglich. Im Coimbra-Protokoll wird Vitamin D hochgradig substituiert. Das pegelt sich dann irgendwo um etwas über 100 ein. Der Wert sollte optimalerweise zwischen 50 und 70 liegen.

Entscheidend für die sogenannte Vitamin-D-Intoxikation ist allerdings das Kalzium. Das Gefährliche, wenn man zu viel Vitamin D zu sich nimmt, ist die Hyperkalzämie. Eine Hyperkalzämie zeigt Symptome einer Psychose oder von schwerwiegenden psychischen Störungen. Hyperkalzämien können demnach bei einer Hochdosis im schlimmsten Fall tatsächlich zum Tode führen. Deshalb sollte das immer und ausschließlich unter ärztlicher Kontrolle durchgeführt werden.

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