Die meisten Menschen mit Autoimmunerkrankungen sind Frauen, das Verhältnis liegt bei 10 zu 1. Also nur 10 Prozent der Männer haben eine Autoimmunerkrankung. Aber nur weil dieser Anteil so gering ist, heißt das nicht, dass das Thema Androgene nicht auch interessant für Frauen ist. Im heutigen Beitrag geht es also um Frauen und welche Auswirkungen Androgene auf sie haben.

Auswirkung von Androgenmangel

Bei Frauen besteht recht häufig nicht nur ein Östrogenmangel oder eine Östrogendominanz oder ein Progesteronmangel, sondern auch ein Androgenmangel. Viele Gynäkologen ignorieren das und sagen gerne mal: „… naja, Frauen brauchen ja überhaupt kein Testosteron. Was soll das, ist doch egal!“ Es ist natürlich nicht egal – wie immer bei Hormonen. Sie haben erhebliche Auswirkungen. Lest hier welche:

Zum Einen, ist Testosteron eine hoch antientzündliche Substanz. Das ist für Frauen nicht so relevant, weil wir auch noch das Progesteron mit in der Pipeline haben. Wir Frauen produzieren dieses Hormon in viel größerer Menge, was also für uns die größere Rolle spielt. Testosteron hat große Auswirkungen auf den Wasserhaushalt. Es scheint vor allen Dingen eine große Rolle bei Lipödemen und Lymphödemen zu spielen. Das scheint ganz viel mit Androgenmängeln bzw. mit androgenen Resistenzen der peripheren Zellen zusammenzuhängen und einige Therapeuten haben sehr gute Ergebnisse mit relativ hoch dosierten Androgengaben in diesem Bereich erzielt.

Dann spielt es natürlich eine ganz große Rolle hinsichtlich der Libido. Ein viel vernachlässigtes Thema.

Wusstest du, dass Schilddrüsenerkrankungen und Autoimmunerkrankungen im Allgemeinen mit einem ganz starken Libidoverlust einhergehen?

Oft auch mit einem totalen Verlust der Libido und das kann einfach stark beeinträchtigend wirken für die Beziehung und auch für das gesamte Leben. Es ist ein Teil der menschlichen Natur und zumindest, wenn man sich nicht als asexuell sieht, sondern vorher eben alles „für einen selber normal war“ ist es stark beeinträchtigend, wenn das plötzlich nicht mehr so ist. Wenn jemand schon immer asexuell war, dann ist es ja okay. Aber für jemanden, für den das nie so war und sich das ganz plötzlich stark geändert hat, kann das durchaus eine starke Einschränkung der Lebensqualität sein und vor allen Dingen auch der Beziehung schaden. Und hier spielt der Androgenmangel tatsächlich eine riesengroße Rolle.

Man glaubt es kaum aber auch bei der Affektstabilität und dem Durchsetzungsvermögen spielen die Androgene eine ganz große Rolle. Statistisch gesehen, befinden sich die Frauen, die einen sehr hohen Androgenspiegel haben, in Führungspositionen und sie haben ein hohes Durchsetzungsvermögen. Das ist tatsächlich so. Das hat auch überhaupt nichts mit Diskriminierung gegenüber Frauen zu tun, die keinen hohen Testosteronspiegel haben, sondern es ist einfach durch Studien bewiesen, dass hohe Testosteronspiegel ganz stark das Verhalten beeinflussen. Mein Testosteronspiegel bewegt sich immer am aller obersten Rand von normal und in meiner ganz schlechten Phase hatte ich plötzlich quasi gar keins mehr. Das hat mich sehr stark beeinträchtigt, weil das ist nicht dass, was man gewöhnt ist.

Auch ein typisches Beispiel ist, dass man sich selbst als Kämpfernatur gewöhnt ist und sich als jemand mit Biss kennt – plötzlich ist das alles weg. Jetzt tritt genau das Gegenteil ein: man könnte bei jeder Gelegenheit in Tränen ausbrechen. Dieser plötzliche Wechsel der Persönlichkeit kann natürlich ganz stark beeinträchtigen. Frauen berichten, dass es ihnen unmittelbar nach Beginn einer Therapie besser geht. Sie sagen, dass sie jetzt durchsetzungsfähiger und das nicht mehr so schnell anfangen zu weinen. Sie haben weniger Angst und kommen in Situationen, die vielleicht zum Teil auch beängstigend sind, einfach besser zurecht.

So beeinflussen Androgene den Muskelaufbau und das Muskelwachstum

Ganz klar: wenn man einen höheren Testosteronspiegel hat baut man auch schneller Muskeln auf und hat eine kräftigere, stärkere Muskulatur. Das spielt hinsichtlich des Gesamtstoffwechsels und einer Schilddrüsenerkrankungen eine riesen Rolle. Ich kann es gar nicht oft genug sagen: die Muskulatur ist der Träger unserer Mytochondrien. Keine Muskeln oder nur ganz wenig, bedeutet deutlich weniger Mytochondrien und deutlich weniger Energie. Das heißt, man kann sehr viel einfach an seinem Energiehaushalt tun, wenn man mehr Muskelmasse hat. Wer aber einen extrem niedrigen Androgenspiegel hat, baut sehr schlecht Muskelmasse auf. Im Prinzip gar keine und das ist dann total frustrierend. Wenn ich trainiere, bin ich nicht in der Lage adäquat Muskeln aufzubauen.

Was ist die Ursache?

Es ist halt wieder diese Hormonkaskade. Hier kann das Hypophyse, was wir schon beim Östrogenmangel besprochen haben, wieder eine Rolle spielen. Es kann sein, dass die Stimulation von der Hypophyse, wenn LH, FSH da nicht läuft, dann wird auch kein Testosteron ausgeschüttet. Testosteron wird schon bei der Frau zu einem relativ hohen Prozentsatz auch vom Ovar mit ausgeschüttet, was dann über LH und FSH angestoßen wird. Zum Anderen ist es aber so, dass es ganz viel mit der Nebenniere zu tun hat.

Ein Großteil der Androgenproduktion erfolgt bei der Frau in der Nebenniere und wir haben eben diese drei Achsen. Die Cortisolachse in der Mitte, wir haben die Progesteron/Aldosteron Achse und wir haben die Steroidachse. Und auf der Steroidachse haben wir erst DHEA, dann Testosteron und Dihydrotestosteron, Androstendion und zum Ende dann die weitere Umsetzung in Östrogen. Und wenn der Körper alle Ressourcen der Nebenniere braucht um Cortisol zu produzieren, dann wird eigentlich nichts mehr benutzt um die Steroidachse zu versorgen und dann kann sozusagen der Testosteronspiegel sehr niedrig sein – was unangenehm ist.

Wie kann ich den Androgenspiegel messen?

Ganz wichtig ist, Testosteron, also dass, was diese ganzen positiven Auswirkungen hat, die wir eigentlich gerne haben möchten, Muskelwachstum, Libidozuwachs, Biss, zum Teil vielleicht auch eine leichte Aggressivität, das wird durch Dihydrotestosteron verursacht. Wenn ich also nur Testosteron im Speichel messe, dann habe ich noch keine Aussage darüber, wie mein Dihydrotestosteronspiegel ist. Das heißt, wenn man wirklich seine Androgen-Werte wissen möchte, dann muss man immer messen: Testosteron, Androstendion – damit man dann auch den freien Testosteronindex ermitteln kann -, Dihydrotestosteron und SHBG. Warum den SHGB messen? Weil, wenn der bei 900 liegt, dann kann ich auch einen super hohen Testosteronspiegel haben, der wird keinerlei Wirkung erzielen.

Wann das Messen im Blut erfolgt, ist relativ egal, weil die Hauptproduktion in den Nebennieren stattfindet. Nicht messen sollte man um den Eisprung rum. Zur Zeit des Eisprungs ist der Testosteronspiegel am höchsten um die Bereitschaft zur Paarung zu erhöhen und das kann die Werte dann falsch positiv beeinflussen.

Weg mit dem Bauchfett!

Einige wissen ja, dass das gerade mein Projekt für dieses Jahr ist: Nieder mit dem Bauchfett! Ich versuche den Großteil meines Restbauchfetts loszuwerden, was viel auch damit zu tun hat, dass es sich sehr positiv auf die Hormone auswirkt und für mich war das der letzte Punkt. Ich war ja schon recht gut eingestellt und viele Sachen gingen auch wieder ziemlich gut, aber mein Hormonhaushalt war immer noch total durcheinander. Immer um den Eisprung rum, hatte ich massive Probleme. Ich hatte ganz starke Probleme mit PMS (Prämenstruelles Syndrom).

Das alles ist verschwunden, seit meiner 30 Kilo Gewichtsabnahme und das ist auch was, was mit Studien klar untermauert ist. Desto niedriger das Bauchfett, desto sauberer läuft die Hormonproduktion und desto höher ist der Testosteronspiegel.

Wusstest du schon: Ein Testosteronmangel geht konsekutiv durch bestimmte Rückkopplungsorganismen und auch ganz oft mit einem Serotoninmangel einher, was dann wieder zusätzliche Antriebsschwäche und Depressionen und ja, vielleicht so melancholische Zustände verschärft und dazu führt, dass man dann wieder Heißhunger auf alles Mögliche hat. Und da ist sie wieder, die Teufelsspirale.

Autoimmunerkrankungen und Androgene wie Testosteron

Welche Substanzen können wir gut nehmen?

Bitte achtet darauf: als Frau würde ich nur im äußersten Notfall Testosteron substituieren. Nur dann, wenn man selber gar nichts produziert und auch nur unter sehr strenger Kontrolle eines geschulten Arztes. Das kann super hilfreich und nützlich sein aber da braucht ihr echt einen super guten Therapeuten. Bestellt euch auf keinen Fall irgendwas im Internet und nehmt das einfach. Damit kann man erreichen, das einem die Haare ausfallen und einem ein Bart wächst und ansonsten nicht viel positives. Bitte lasst die Finger weg davon.

Es gibt aber ein paar sehr schöne, phytotherapeutische Maßnahmen, die wirklich auch hervorragend wirken und wo ich sehr viel Gutes über Erfahrungsberichte gehört habe. Eines davon habe auch ich über einen längeren Zeitraum während meiner Gewichtsabnahme genommen und fand das super hilfreich.

Ashwagandha

Ashwagandha ist ein Cortisoladaptogen. Es harmonisiert Cortisol und macht uns stressresistenter. Was viele nicht wissen, Ashwagandha ist auch ein ziemlich potentes Androgen. Zum Teil so potent, dass Frauen, die sowieso schon eine Hyperandrogenemie haben, unter der Einnahme von Ashwagandha sich diese massiv verstärkt. Wenn man PCOS oder wenn man sowieso schon eine Hyperandrogenemie hat, dann sollte man etwas vorsichtig mit Ashwagandha sein. Es kann zu einer Hypertrophie der Labien (Wachstum der Schamlippen) führen und es kann zum Teil auch Sachen wie Hirsutismus (Wachstum von Haaren im Gesicht oder Rückgang) beim PCOS verstärken. Hier also etwas Vorsichtig mit Ashwagandha, wenn man PCOS hat.

Wenn man das Gegenteil hat und eher durch Wasser aufgequollen, weich, extrem weiblich oder weinerlich ist, dann kann man mit Ashwagandha im Prinzip nicht viel falsch machen. Dann ist wichtig, dass es eine relativ hohe Dosis ist. Also alle Studien hinsichtlich der androgenen Wirkung mit Ashwagandha wurden mit 1000 Milligramm gemacht. Das ist sehr viel, ich empfehle normalerweise als Adaptogen so um die 500 Milligramm Ashwagandha. Ich habe es selber mal ausprobiert und Ashwaganda in hohen Dosen genommen. Für mich ist es zu viel, ich empfinde das als unangenehm. Also ich empfinde mich dann übermäßig aggressiv und finde das nicht gut, ich habe aber von Grund her schon einen sehr hohen Testosteronspiegel. Ich habe das nicht zu Zeiten ausprobiert, wo der zu niedrig war, sondern zu Zeiten, wo der schon sehr gut war und empfinde diese hohen Dosen von Ashwagandha dann als unangenehm. Von Patientinnen von mir weiß ich, dass sie diese hohen Dosen ausprobiert haben und das bei ihnen sehr hilfreich. Faziz: Wenn das Problem von der Nebenniere kommt würde ich Ashwagandha bevorzugen.

Hirschwurzel

Hirschwurzel finde ich super hilfreich. Obwohl es dazu richtig gute Studien gibt, dass es wirklich sehr gut wirkt, gibt es so gut wie keine Hirschwurzelsupplemente. Was ich kenne ist Natanabol, das ist aus Österreich. Dieses Präparat in Kombination mit Heidelbeere ist wirklich super. Heidelbeere ist auch ein super Antioxidanz und natürliches Androgen und dann noch mit grünem Tee – ebenfalls ein super gutes Antioxidanz und ein Androgen. Da ist ein bisschen Titanoxid drin, lasst euch davon nicht abschrecken. Titanoxid wird vom menschlichen Körper nicht aufgenommen und ist komplett unproblematisch, insofern kann man das ruhig nehmen. Das habe ich während meiner Abnehmphase in den ersten drei Monaten genommen und fand das super gut. Ich hatte das Gefühl, dass es total viel gebracht. Auch viele meiner Patientinnen haben davon berichtet. Sie hatten mit Weinerlichkeit und Affektlabilität zu kämpfen und diese Kombi hat ihnen sehr gut geholfen. Man darf das auch relativ langfristig nehmen, da es nicht abhängig macht. Insofern ist dass eine gute Möglichkeit.

Pinienpollen

Pinienpollen sind extrem potente pflanzliche Androgene und man sollte sie nicht langfristig nehmen. Sie enthalten tatsächlich einen fast bioidentisches Testosteronderivat, also eine Substanz, die dem Testosteron extrem ähnelt. Dadurch merkt man die Wirkung auch relativ unmittelbar nach wenigen Tagen. Wirkt es gar nicht, dann sind es keine echten Pinienpollen. Wichtig ist für Frauen zu wissen, dass ihr nicht die Dosis nehmen, die auf der Verpackung steht. Männer sollten 15 Milligramm am Tag nehmen, also drei mal 5 Milligramm, bei Frauen würde ich erstmal mit drei mal einem Milligramm (ca. ein Viertel Teelöffel) anfangen. Pinienpollen sollte man aufgrund des Gewöhnungseffekts nicht länger wie drei Wochen nehmen und dann pausieren. Wenn es gut gewirkt hat, sich alles gut angefühlt hat, dann kann man nochmal eine Phase von so drei, vier Wochen machen. Ihr seht, es ist nicht ganz so dramatisch aber man sollte es nicht dauerhaft nehmen, weil es dann nicht mehr vernünftig wirkt.

Kann man diese Substanzen während der Stillzeit nehmen?

Ja, Testosteron hat keine Auswirkungen auf das Stillen. Mit Pinienpollen wäre ich ein bisschen vorsichtig weil die Wirkungen zum Teil über die Muttermilch mit übertragen werden kann. Ich habe selber Ashwagandha sehr lange und auch während der Stillzeit genommen und keine negativen Auswirkungen festgestellt. Auch auf die Milchbildung hat es überhaupt keinen negativen Einfluss gehabt.

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