Das Thema Leaky Gut (erhöhte Darmpermeabilität) ist in Abständen immer mal wieder in aller Munde und es wird sehr viel darüber diskutiert. Dennoch gilt es bislang als ein ungelöstes medizinisches Rätsel. Noch immer wird versucht, genauer herauszufinden, was die eigentliche Ursache des Leaky-Gut-Syndroms ist.

Wie kommt Leaky Gut – ein durchlässiger Darm – zustande?

Erst 2011 hat Alessio Fasano den Stoff Zonulin entdeckt und den Zusammenhang zwischen Zonulin und der Cholera-Erkrankung hergestellt. Fasano ist eigentlich Kinderarzt und hat durch Zufall bei der Untersuchung von an Cholera erkrankten Kindern herausgefunden, dass bei der Cholera eine massive Durchlässigkeit des Darms entsteht – quasi ein Leaky Gut in schlimmster Ausprägung. Durch diese Durchlässigkeit laufen das ganze Wasser und die Elektrolyte aus dem Körper, was in letzter Instanz leider tödlich verläuft, wenn man dagegen nichts tut oder nichts mehr tun kann.

Fasano hat in dieser Richtung weiter geforscht und 2012 seinen relativ bahnbrechenden Artikel „Leaky Gut and Autoimmune Diseases“ veröffentlicht. In diesem Artikel hat er die Theorie aufgestellt, dass einer der entscheidenden Gründe für die Entwicklung von Autoimmunerkrankungen eine Darmpermeabilitätsstörung ist – also eine Durchlässigkeit des Darmes, wodurch Fremdproteine und Fremdstoffe in den Körper hineinkommen können, die sonst niemals hineingekommen wären.

Alessio Fasano hatte vorher schon viele Untersuchungen an autoimmunerkrankten Kindern durchgeführt und dabei nachgewiesen, dass diese Kinder in beachtlichem Maße ein erhöhtes Zonulin hatten. Der Erhöhungsgrad war so ähnlich wie bei schweren gastrointestinalen Entzündungen, nur dass die untersuchten Kinder eigentlich keine Infektionen hatten, sondern unter einer Autoimmunerkrankung litten.

Es ist nicht wirklich ein Krankheitsbild, sondern eher ein Phänomen, welches mit ganz vielen Erkrankungen im Zusammenhang steht. Das ist zumindest ziemlich sicher. Aber ob oder dass es so ist, wurde trotzdem noch nicht abschließend anerkannt. Die großen Foren und die Fachgruppen, die diesbezüglich existieren, haben das bisher noch nicht definiert.

Was sind die Gründe für einen Leaky Gut?

Ernährung

Der wohl wichtigste Grund ist die Ernährung und hier spielen die Lektine eine besondere Rolle. Es gibt Stoffe in der Ernährung, wie beispielsweise das Gluten, die finden sich auch in Hülsenfrüchten, in Nachtschatten- und in Kürbisgewächsen, die der Darm nicht so mag. Diese haben die Eigenschaft, sich am Darm anzuheften und dafür zu sorgen, dass der Darm undicht wird. Eigentlich haben sie die Aufgabe, den Wirt zu töten – also zumindest in ganz vielen Fällen. Lektine sind sonst im Wesentlichen dazu da, dass der „Fressfeind“ die Pflanze verzehrt und tot umfällt. Nun ist der Mensch ziemlich groß und stark und fällt von diesen Sachen nicht tot um, aber wirklich gut tut es ihm auch nicht unbedingt.

Die Ernährung trägt also maßgeblich dazu bei, ob der Darm undicht wird. Auf eine lektinarme oder lektinfreie Ernährung zu gehen, macht bei einem Leaky Gut auf jeden Fall Sinn, bis der Darm geschlossen ist. Ist der Darm extrem weit offen, reagiert man auf eine unglaublich große Menge an verschiedensten Nahrungsmitteln. Das ist aber ein Symptom und nicht die Ursache.

Stress

Der zweite wichtige Grund ist jede Art von Stress. Stress kann durch chronische Entzündungen, durch Erkrankungen, durch Überforderung im Job oder Turbulenzen im Leben entstehen. Stress kann eine permanente Giftstoffbelastung sein oder die Art, wie wir leben: falsches Licht, falsche zirkadiane Rhythmen, nicht ausreichend Schlaf. Das alles führt dazu, dass der Darm undicht wird.

Die meisten kennen das, dass es beispielsweise bei Prüfungsstress zu Durchfall kommt. Das wäre so ein typischer Fall von Leaky Gut. Man fühlt sich total gestresst, der Darm wird undicht und Wasser läuft zurück in den Darm. Phasen, in denen man stark beziehungsweise viel mehr gestresst ist als sonst, bedeuten auch ein deutlich erhöhtes Risiko, dass es am Darm Probleme geben kann.

Stress und alle Arten von Entzündungen sind demnach einer der weiteren Gründe und führen zu ernsthaften Problemen für den Darm. Eine Verstopfung ist ganz oft eine Folge vom Leaky Gut.

Darmpermeabilitätsstörungen können ursächlich sowohl einen Durchfall als auch eine Verstopfung auslösen. Wenn man oft oder immer mit Verstopfungen zu tun hat, bedeutet das, dass die Stoffe, die für den Darm nicht gut sind, länger im Darm verweilen. Das erklärt sich im Prinzip von selbst und kann problematisch sein. Wenn man das Leaky Gut und die dadurch entstehende chronische Entzündung im Darm behebt und heilt, dann ist oft auch die Verstopfung weg.

Menschen mit starkem Übergewicht haben deutlich häufiger eine Darmpermeabilitätsstörung und erhöhtes Risiko in die Richtung als normalgewichtige Leute. Das lässt sich nachweisen über bestimmte Stoffe, die mit unserem Fettzellen-Stoffwechsel zu tun haben. Vermehrtes, vor allen Dingen abdominales Fett im Bauchbereich, führt oft zu Entzündungen im Körper.

Autoimmunerkrankungen und Leaky Gut

Medikamente

Ein eindeutiger Grund für Leaky Gut sind verschiedene Medikamente. Hier an erster Stelle zu nennen sind die NSAR (nicht steroidale Antirheumatika). Das sind eigentlich alle Schmerzmittel außer Paracetamol, Metamizol und die Opiate. Zu den NSAR zählen Aspirin, Ibuprofen, Diclofenac und dergleichen. Die machen den Darm so richtig undicht. Je stärker ein NSAR ist, desto eher entstehen dadurch auch Darmpermeabilitätsstörungen. Wenn man von diesen Schmerzmitteln nicht die Finger lassen kann, wird der Darm niemals dicht werden. Dann entstehen die Probleme durch den Leaky Gut und man hat eventuell wieder vermehrt mit Schmerzen zu tun – zum Beispiel mit Migräne. So beißt sich die Katze manchmal in den Schwanz.

Es macht also Sinn, auf Alternativen umzusteigen, wenn das irgendwie machbar ist. Novalgin und Tramal wären beispielsweise Möglichkeiten, die zumindest für den Darm nicht schlecht sind und die man nutzen kann, um Schmerzen effektiv zu bekämpfen. Tramal hat allerdings den kleinen Nachteil, dass es die Darmdurchfluss-Rate vermindern kann, sodass der Stuhlgang und die Darmmotilität verlangsamt werden. Das kann wiederum auch zu erhöhten Belastungen im Darm führen. Doch was den Darm an sich angeht, ist es dennoch ein gutes Schmerzmittel.

Triptane sind leider auch sehr schlecht für die Darmintegrität. Triptane gehören zur Gruppe der Ergotamine und können zu einer erheblichen Durchlässigkeit des Darms führen. Wenn jemand extreme Migräne hat und definitiv Triptan nehmen muss, dann kommt er höchstwahrscheinlich ohne dieses Medikament nur schwer zurecht. In so einem Falle sollte man in genauer Absprache mit seinem Therapeuten gucken, wie man das eventuell umgehen oder verbessern kann. Manch einer wird sogar von seiner Migräne geheilt, indem er das Leaky Gut vollständig bekämpft hat.

Empfehlung:Für das Wohlbefinden des Darms lieber Paracetamol als Iboprofen. Paracetamol ist nicht besonders gut für die Leber, aber hinsichtlich des Darms auf jeden Fall die deutlich bessere Variante.

Candida

Ein ganz wichtiger Punkt sind Hefen wie Candida. Candida macht den Darm total undicht, vermindert das sekretorische IGA – also die immunologische Abwehr des Darms – und ist daher ein sehr großes Problem. Bei systemischen Candida-Infektionen lohnt es sich manchmal, noch einmal genauer hinzuschauen, auch wenn man im Stuhl keinen Candida gefunden hat. Die Stuhltests sind nicht besonders sicher.

Es gibt auch einen Urintest, der oft angepriesen wird. Es ist super wichtig zu wissen, dass der Urintest nur eine Sensitivität von 20 Prozent hat. Nur 20 Prozent aller getesteten Personen werden auch als Candida-Betroffene erkannt.

Gut zu wissen: Wesentlich valider ist der LTT, auch wenn er nicht als medizinisch gesichert validiert gilt, aber er funktioniert sehr gut und bietet vor allen Dingen eine gute Möglichkeit der Kontrolle darüber, ob das, was man tut, erfolgreich ist.

Zinkmangel

Ein letzter sehr wichtiger Grund, der auch den Darm undicht macht und ein Faktor dafür sein kann, warum der Darm partout nicht dicht wird, ist Zinkmangel. Zinkmangel führt ganz oft dazu, dass der Darm nicht dicht wird und sich nicht richtig verschließen kann. Andererseits führt das Leaky Gut wiederum zu einem Zinkmangel. Also haben wir auch da wieder einen verhängnisvollen Kreislauf, der sich gegenseitig anfeuert.

Zink L-Carnosin wird mit 75 Milligramm gegeben, wobei der Gehalt an Zink relativ gering ist. Es sind nur 17 Milligramm Zink drin, doch das wird von den Darmzellen, an welche wir ja rankommen möchten, deutlich besser aufgenommen. Zusätzlich würde ich Zink noch in anderer Weise nehmen.

Ich darf leider nicht konkret sagen, wie viel Zink man nehmen sollte. Ich selbst nehme am Tag 150 Milligramm Zink. Diese Dosis wäre für einen vollständig Gesunden auf Dauer jedoch tödlich. Deswegen darf ich hier natürlich auch nicht empfehlen, so viel zu nehmen. Ich brauche diese Dosis, um einen halbwegs adäquaten Zinkspiegel zu halten. Und ich merke auch, dass es mir extrem hilft, dass mein Darm stabil bleibt.

Also das nur als Beispiel, wie viel Zink eventuell nötig und wichtig ist, damit der Darm halbwegs gut dasteht. Zink L-Carnosine zum Beispiel, findet ihr auch bei uns im Shop. Weil es manchmal etwas schwierig zu finden ist: Es heißt EndoZin.

Zusammenfassung: Besonders günstig für den Darm ist Zink L-Carnosin. Das ist eine Zinkverbindung, die die Dickdarmzellen nährt und von diesen besonders gut aufgenommen werden kann. Es sorgt dafür, dass die Integrität des Darms wieder hergestellt wird und die Tight Junctions wieder miteinander zusammenlaufen.

Die Pille

Die Pille ist eine Katastrophe für die Integrität des Darms. Sie ist ein starker Verursacher für Leaky Gut und deshalb schwierig.

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Was kannst du tun?

Über die Ernährung haben wir schon gesprochen. Ich empfehle dringend das Meiden von Lektin – möglichst über einen relativ langen Zeitraum hinweg. Normalerweise arbeite ich mit einem Suppenschema in der Startphase, um den Darm möglichst schnell wieder in den Griff zu kriegen.

Ich starte also mit einer Suppenphase über ein bis drei Tage, in denen ich nur Suppe essen darf, um erst einmal alles rauszuhauen aus dem Darm und den Darm gleichzeitig anzuregen, dass er wirklich alles von sich gibt. Damit wird er gereinigt und auch einen Großteil des Mikrobioms los, was eventuell fehlerhaft ist.

Anschließend steige ich mit einer lektinfreien Ernährung für zwei bis drei Wochen ein und kann dann langsam versuchen, in kleinen Mengen lektinarme Nahrung zu mir zu nehmen – also Sachen, die vernünftig zubereitet werden, dass kaum noch Lektine drin sind.

Hülsenfrüchte gehen für mich persönlich gar nicht – ganz gleich in welcher Zubereitungsform. Doch es kann sein, dass es für dich total gut ist und dass du über die Hülsenfrüchte eine super Proteinquelle hast, eine super Kohlenhydratquelle und eine super Ballaststoffquelle, die die richtigen gesunden Bakterien in deinem Darm füttert.

Wichtig: Was nie funktioniert ist Gluten. Es macht den Darm prinzipiell undicht und das machen eigentlich auch die Lektine in den anderen Getreiden. Gluten ist mehr oder weniger nur in Weizen. Auch Sekalin aus dem Roggen, Hordein aus der Gerste und dergleichen sind immer schlecht für die Darmintegrität. Deswegen sollte man Getreide – außer Hirse – erst einmal vollständig meiden.

Hirse hat anstelle von Lektin das Kaferin, welches extrem stabil ist. Es ist so stabil, dass es kein Lebewesen in irgendeiner Form verdauen kann. Und deswegen wird die Hirse komplett davon befreit. Bevor Hirse in den Verkauf kommt, ist sie im Prinzip lektinfrei.

Was hilft noch, damit es gar nicht erst soweit kommt?

Für Gluten und all die anderen bösen Stoffe und Umweltgifte haben wir drei Schutzbarrieren. Das sind im Wesentlichen das sekretorische IGA (das würden wir gerne nach Möglichkeit nach oben kriegen) und die Probiotika. Bei den Probiotika – wir wollen uns ja nicht gleich die nächsten Lektine einkaufen – gibt es meines Wissens nach leider momentan nur ein einziges Probiotikum, was eine gute Menge an verschiedenen Keimen und eine hohe Diversität enthält und keinerlei Maisstärke oder irgend so etwas. Und das ist das „Therbiotic complete“ von der Firma KlairLabs. In diesem Präbiotikum ist Chicorée. Es kann aber trotzdem sein, dass es bei dir jetzt gerade nicht anwächst und du auf etwas anderes zurückgreifen musst.

Langfristig noch viel besser ist es, wenn man Lacto-Fermente in seine Ernährung implementiert und insgesamt fermentierte Speisen – zum Beispiel Kimchi, Sauerkraut, fermentierte Möhren oder Kefir-Arten. Schaut euch dazu gerne den Beitrag „Autoimmunerkrankungen und zweierlei Kimchi“ und das Video von Paul und mir auf Facebook zum Thema fermentieren an. Man kann Milch-Kefir auch mit Mandel- oder Kokosmilch herstellen oder eben mit Schafs- oder Ziegenmilch, wenn man sich die Lektin-Belastung einfach nicht zumuten oder überhaupt keine Milchprodukte einnehmen möchte. Und zum Teil auch lebendiger Kombucha.

Das sind Möglichkeiten, um in der Ernährung traditionell solche Sachen mit aufzunehmen und das, was schädlich ist oder schaden kann, schon von vorneherein kaputtzumachen. Und zwar nach Möglichkeit bereits im Magen. Magensäuremangel ist eine ganz häufe Co-Geschichte bei Hashimoto-Thyreoiditis und bei Autoimmunerkrankungen. Deswegen kann es sein, dass man von Magensäuregabe wahnsinnig profitiert.

Wichtig ist auch, dass man Verdauungsenzyme, auch in hochdosierter Menge gibt. Die Menge muss ausreichend sein. Wenn ich bestimmte Sachen nehme, muss es von dem höchstdosierten Präparat sein, welches die Firma Enzymedica herstellt. Ich mag Enzymedica sehr, weil es schon im Magen seine Wirkung entfaltet. Davon muss ich vier bis fünf Kapseln nehmen, damit ich wirklich unmittelbar merke, dass es funktioniert. Nimm also ausreichend davon. Da steht zwar auch wieder drauf, dass nur eine bis zwei Kapseln genommen werden sollen, meiner Meinung nach muss man es ausprobieren, was für einen selber die richtige Dosierung ist.

Fragen und Anmerkungen zum Thema Autoimmunerkrankungen und Leaky Gut aus dem Live-Video

Da ich zum Thema Leaky Gut ganz besonders viele Fragen erhalten habe, wiederholt sich in meinen Antworten die eine oder andere Information, was meiner Ansicht nach nicht schaden kann – einfach frei nach dem Motto: Doppelt hält besser. Auf geht’s:

Welche Stoffe sind prima, damit unser Darm wieder dicht wird?

Zink ist ein ganz wichtiger Punkt – bestenfalls Zink L-Carnosin. Und auch Glutamin. Glutamin sorgt dafür, dass die Tight Junctions (die Integrität des Darms) wieder hergestellt wird.

Und es gibt noch eine zweite Form von Leaky Gut, wo einfach die Poren undicht werden und es zum Teil auch direkt durch die Zellen und die Enterozyten geht. Um dort ranzukommen und das zu verbessern, helfen Süßholzwurzel und Aloe Vera super gut. Dazu gibt es sehr informative Studien. Es gab mal ein Präparat, welches die Kombination Aloe Vera, Süßholzwurzel und Glutamin hatte. Das wurde leider – aus welchen Gründen auch immer – vom Markt genommen. Auf jeden Fall gibt es das in Deutschland nicht mehr. Es war nur ein Pulver, das schrecklich nach Lakritze schmeckte, was viele einfach überhaupt nicht mochten und nicht tolerierten.

Deshalb habe ich ein Supplement entwickeln lassen: das AI Formula 1. Es enthält Glutamin plus Aloe Vera plus Süßholzwurzel. Die Rückmeldungen zu diesem Supplement sind sehr gut. Die meisten vertragen es super und es führt tatsächlich zu einer guten Verbesserung der Integrität am Darm. Ich teste das Präparat regelmäßig mit meinen Patienten.

Bekomme ich auf Zink Durchfall?

Es gibt eine ganze Menge verschiedener Zinkverbindungen – unter anderem Zink-Picolinate, Zink-Citrat und Zink-Aspartat. Von Zink L-Carnosin zum Beispiel bekommt man meistens keinen Durchfall und keinerlei Probleme. Was häufig zu Durchfall führt, ist Zink-Citrat. Man sollte das für sich durchprobieren. Ich selbst nehme eine Kombination aus Zink-Citrat, Zinkorotate und Zink-Piccolonat, weil ich Zinkorotate vom Magen her gar nicht gut vertrage und aber trotzdem nehme, da es sehr gut aufgenommen wird. Und ich kombiniere das so, bis ich auf meiner Zinkmenge bin. Das ist auch das, was ich als Verträglichkeitstipp geben kann.

Autoimmunerkrankungen und Leaky Gut

Gliadin-Antikörper erhöht – sollte ich glutenfrei essen?

Ja, auf jeden Fall. Du hast eine sogenannte Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität. Das ist eine Erkrankung (die habe ich übrigens auch), bei der wir inzwischen wissen, dass sie genauso viele Probleme verursachen kann wie die Zöliakie, auch wenn man keine Zöliakie hat. Also wenn es keine Autoimmunerkrankung ist, sondern einfach eine Erkrankung, bei welcher sich der Körper gegen das Gluten wendet.

Wenn du es schaffst, dass dein Darm hundertprozentig dicht ist und dass du so eine gute Flora hast, dass das Gluten nicht an deinen Darm kommt und wieder neue Löcher in den Darm macht, dann kannst du im Prinzip kleinste Mengen Gluten essen. Vor allen Dingen dann, wenn es im Sauerteig ist. Also wenn du einen über 72 Stunden fermentierten Sauerteig hast, dann kannst du das theoretisch essen, denn der hat dann kaum noch Gluten.

Für mich funktioniert das leider nicht. Ich habe das alles versucht – auch in Phasen, wo mein Darm sehr, sehr gut war. Wenn ich wieder anfange, Gluten zu essen, bin ich innerhalb kürzester Zeit wieder am Anfang.

Theoretisch ist es im Gegensatz zur Zöliakie, wo man es auf gar keinen Fall essen darf, aber so, dass man bei der „Non Celiac Gluten Sensitivity“ kleine Mengen und vor allen Dingen fermentiertes Gluten zu sich nehmen kann, weil es dort weitestgehend zerstört wurde und hoffentlich dann nicht an den Darm rankommt, wenn die Schutzbarrieren, das sekretorisches IGA, Darmflora und Schleim intakt sind.

Glutenfreier Hafer?

Glutenfreier Hafer ist glutenfrei, enthält aber Avenin. Avenin ist auch ein Prolamin, ein Leptin und ein relativ starkes, mächtiges Lektin. Ob man ihn einweicht, dampfkocht oder was auch immer, ist leider auch hier egal. Die normalen Getreide (und dazu gehört auch der Hafer) haben sehr stabile, hitzestabile Prolamine, die man im Prinzip nicht loswird. Trotzdem kann es sein, dass du mit Avenin überhaupt kein Problem hast und das konsumieren kannst. Das muss man einfach für sich testen. Grundsätzlich würde ich Hafer aber eher nicht empfehlen.

Heilerde: Gut oder böse?

Heilerde fängt einiges weg und enthält viel Aluminium. Die Meinungen, ob dieses Aluminium aus der Heilerde aufgenommen werden kann oder nicht, gehen stark auseinander. Grundsätzlich unterscheidet es sich nicht von anderem Aluminium, weswegen es sich mir nicht so richtig erschließt, warum es nicht von unserem Körper aufgenommen werden sollte. Aber die absoluten Heilerde-Verfechter sagen, dass dieses Aluminium uns nichts tut.

Gibt es einen Zusammenhang mit Mitochondrien?

Absolut. Wenn nicht genügend dieser Stoffe vorhanden sind, funktioniert unser Körper insgesamt nicht gut. Und wenn der Stoffwechsel nicht gut funktioniert, haben wir auch ein erhöhtes Risiko, dass der Darm undicht wird. Das kann eine Leaky Gut Endometriose verursachen. Wir wissen das allerdings nicht konkret. Endometriose wird aber auch zunehmend als eine autoimmun-getriggerte Erkrankung gehandelt und würde demzufolge auch Leaky Gut mit als Ursache im Hintergrund haben.

Kann ich trotz Leaky Gut Schwermetalle ausleiten?

Nein, bitte lieber nicht. Erst muss der Darm dicht sein, bevor man Schwermetalle ausleitet. Warum? Schwermetalle werden zu einem ganz großen Anteil über den Darm ausgeleitet – über den enterohepatischen Kreislauf. Wenn du jetzt in großer Menge Schwermetalle freisetzt, werden sie über deinen Darm wieder aufgenommen und dann an dein Gehirn weitergeleitet. Aufgrund dessen könntest du dann eine akute Schwermetallvergiftung erleiden, obwohl du vorher nur eine chronische IGA – eine chronische Schwermetall-Belastung – gehabt hast. Deshalb bitte erst der Darm, dann die Schwermetalle.

Kann ich Leaky Gut von meinem Hausarzt untersuchen lassen?

Das kannst du vielleicht, wenn dein Hausarzt davon viel Ahnung und ein Labor hat, welches das macht. Bezahlen musst du es aber leider immer selbst. Weil wie gesagt: Es ist noch keine validierte, anerkannte Diagnose. Und dementsprechend ist auch die Diagnostik dazu keine Kassenleistung und wird von den Kassen in keinem Fall getragen, außer von den Privatkassen.

Was kann man untersuchen lassen?

Traditionell war es der Mannitol-Test. Bei diesem Test hat man Mannitol getrunken. Normalerweise sollte das im Körper nicht nachweisbar sein. Wenn der Darm dicht ist, dann geht es oben rein und unten raus. Im Blut ist es also nicht nachweisbar. Wenn man es im Blut dennoch nach der Aufnahme von Mannitol nachweisen konnte, war der Darm undicht. So hat man es früher gemacht. Der Test hat aber eine ganze Menge unangenehmer Nebenwirkungen. Deswegen macht man das nicht mehr oft, seitdem es die besseren Tests gibt.

Was sind die besseren Tests? Zonulin ist super praktisch, da er sowohl im Blut als auch im Stuhl als sehr guter Test zur Verfügung steht. Stuhl ist meistens einfacher, weil du dir das Testergebnis einfach nach Hause liefern lassen kannst. Es gibt einen Darm-Gesundheitstest, den man bestellen kann. Zonulin im Stuhl ist mit dabei.

Zweiter Punkt: Alpha-Antitrypsin. Beim Alpha-Antitrypsin ist es genau anders herum als beim Mannitol. Alpha-Antitrypsin gehört in unseren Körper und ist eigentlich etwas, was von der Lunge ausgeschieden wird oder ausgeschieden von der Lunge benutzt wird. Wenn es im Stuhl nachweisbar ist, ist der Darm undicht, denn dort gehört es nicht hin. Es ist demnach herausgelaufen, rausgelaufen aus unserem Körper, also ein valider Test. Alpha-Antitrypsin wirkt nur positiv, wenn die Tight Junctions wirklich auseinandergehen. Wenn die Enterozyten selber durchlässig sind, dann wirkt Alpha-Antitrypsin nicht positiv, weil die Löcher zu klein sind, um es durchzulassen. Deswegen macht es Sinn, jeweils immer Zonulin UND Alpha-Antitrypsin zu untersuchen.

Histamin-Intoleranz, Leaky Gut und dazu glutensensitiv – was nun?

Es gibt ganz viele Formen der Histamin-Intoleranz. Eine von ihnen ist, dass der Darm von vielen Histamin-Bildnern besiedelt ist. Das sind Bakterien, die Histamin in großer Menge ausbilden und man kann möglicherweise riesige Mengen Histamin im Stuhl nachweisen. Und wenn der Darm undicht ist, dann fließt dieses Histamin in ebenso riesiger Menge zurück über den Darm in deinen Körper. Dann kann es sein, dass du massive Histamin-Intoleranz-Symptome hast. Zum Teil auf Nahrungsmittel, die überhaupt keine Nahrungsmittel enthalten, weil du damit deine Histamin-Bildner gefüttert hast, die sich fröhlich in deinem Darm tummeln, obwohl du eigentlich gar kein Histamin-Problem hast. Deine Diamine Oxidase muss sich in dem Fall mit Unmengen Histamin auseinandersetzen und ist irgendwann überfordert, weil es viel zu viel ist. Es kann jedoch gut möglich sein, dass diese Arten von Histamin-Intoleranzen komplett verschwinden, wenn man den Darm wieder hinkriegt und die Besiedlung des Darms mit den richtigen Bakterien implementiert.

Mein sekretorisches IGA ist zu hoch – warum?

Wenn das sekretorische IGA viel zu hoch ist, dann bedeutet das, dass du auf irgendetwas ganz stark reagierst – wahrscheinlich auf Lektine. Dein Körper versucht, etwas abzuwehren. In den meisten Fällen handelt es sich um etwas aus der Lektin-Gruppe. Eine ganz strenge Eleminationsdiät macht dann besonders Sinn. Omni Biotic ist ein super Probiotikum mit sehr hoher Diversität. Es enthält leider meistens Stärke, aber ansonsten ist es prima.

Welche Probiotika empfiehlst du noch?

Akazienfaser. Warum Akazienfaser? In einer Untersuchung zu Präbiotika wurde danach geschaut, welche wie viele Probleme verursachen. Inulin zum Beispiel verursachte Probleme bei 80 von 100 Patienten und Akazienfaser nur bei 10 von 100 Patienten. Akazienfaser hat also ein viel geringeres Nebenwirkungspotenzial. Deswegen empfehle ich sie. Akazienfaser wird auch sehr gerne von Akkermansia gefressen. Akkermansia muciniphila ist eine von den Bakterien, die extrem hilfreich sind, um uns gesund zu halten. Und diese fressen gerne Akazienfaser. Also tut man sich insofern damit auch noch etwas Gutes.

Wie lange muss man Probiotika nehmen?

Meistens ewig, aber viele nur ein halbes Jahr. Fast nichts ist so schwierig wie „den Fingerabdruck der Darmflora“ zu ändern. Man muss dort ein bisschen Arbeit hineinstecken. Und oft muss man auch erst einmal die Flora, die man bereits hat, ausmerzen.

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