Autoimmunerkrankungen und Verstopfung (Obstipation) Teil 1

Verstopfung ist ein Thema, über welches man erst einmal nicht sonderlich gerne redet. Dennoch steht es mit Autoimmunerkrankungen so nahe im Zusammenhang, dass ich dazu einige Informationen geben möchte, denn das Interesse diesbezüglich wurde von euch an mich herangetragen. Immerhin haben 75 Prozent aller Autoimmunerkrankten Probleme mit dem Darm – in irgendeiner Form, in irgendeiner Art und Weise. da es mir sehr am Herzen liegt dieses wirklich wichtige Thema ausführlich mit euch zu besprechen, wird es zwei Teile zum Thema Autoimmunerkrankungen und Verstopfung geben.

Chronisch entzündliche Darmprobleme bei Autoimmunerkrankungen

Menschen, die von einer Autoimmunerkrankung betroffen sind, werden meistens von zusätzlichen Symptomen begleitet. Ein chronisch entzündlicher Darm gehört vordergründig mit dazu. Es gibt drei deutliche Erscheinungsbilder, mit denen besonders Autoimmunerkrankte fast immer zu kämpfen haben. Die häufigsten Probleme sind Durchfall, gefolgt von Verstopfung und Blähungen.

Durchfall lässt sich relativ einfach und auch sehr sicher beheben, selbst wenn er ständig und über Jahrzehnte hinweg auftritt. Auch Verstopfungen bekommt man meistens in den Griff. Komplizierter wird es bei Blähungen, dickem Blähbauch und Völlegefühl, denn die Symptome sind die hartnäckigsten und somit kann man ihnen auch am schwierigsten entgegenwirken. Das besonders Schwierige daran ist es, die eigentliche Ursache dafür zu finden. 75 Prozent aller Deutschen haben Hämorriden. Die Ursache dafür ist die Verstopfung – also der verlängerte Stuhl- Entleerungsprozess.

Es ist extrem wichtig, dringend den tatsächlichen Ursachen für Darmprobleme auf den Grund zu gehen. Diese Botschaft möchte ich hiermit unbedingt vermitteln, denn das ist das A und O.

Dringend sollte geklärt werden, ob beispielsweise ein Tumor zugrunde liegt und ob dieser bösartig oder gutartig ist. Das kann ein sehr wichtiger Aspekt sein. Es ist zu klären, ob eventuell ein Darmverschluss der Grund ist und ob dieser normal oder funktionell ist – ob bestimmte Nervenzellen im Darm nicht in Ordnung sind und somit der Darminhalt tatsächlich nicht adäquat und ausreichend weitertransportiert werden kann. Vielleicht gibt es eine ganz schwere Entzündung – ein sogenanntes toxisches Megakolon – oder der Darm ist bewegungsunfähig geworden durch eine riesige Menge an Giftstoffen und Bakterien, die auf ihn einwirken. Möglicherweise liegt eine schwere Divertikulitis vor. Es gibt so viele Möglichkeiten, warum eine Verstopfung auftreten kann.

Was ist eine Divertikulitis?

Die Divertikulitis ist unser Sigma – der letzte Abschnitt des Darms. Der Darm ist ja eine Art Muskelschlauch. In ihm liegt die Darmschleimhaut. Und wenn dieser Muskel nicht mehr richtig dichthält, dann stülpen sich kleine Schleimhauttaschen durch die kleinen Lücken zwischen der Muskulatur. Diese nennt man Divertikel. Die Krankheit heißt deshalb Divertikulose. Die Schleimhauttaschen haben nur eine ganz kleine Öffnung und es kann passieren, dass versehentlich etwas darin liegenbleibt und vor sich hin gärt. So kann in der betroffenen Tasche ganz schnell eine Entzündung – die Divertikulitis – entstehen. Und diese kann natürlich auch eine Ursache für Darmprobleme sein.

Verstopfung und ihre Ursachen

Ein weiterer Grund für eine Verstopfung kann sein, dass die Entleerung schmerzhaft ist – zum Beispiel aufgrund von Analfissuren oder Marisken. Analfissuren sind starke Einrisse in der Analschleimhaut. Marisken sind kleine Auswüchse, die auch einreißen können. Beides kann wahnsinnig schmerzhaft sein. Und diese Angst vor dem Schmerz bei der Entleerung kann wiederum dazu führen, dass die Entleerung nicht richtig möglich ist. Eine Analfissur oder auch ein Analabszess muss chirurgisch behoben werden. Es kann natürlich sein, dass Marisken, Analfissuren beziehungsweise Analabszesse auf der Basis entstanden sind, dass ein autoimmuner oder ein chronisch entzündlicher Prozess dafür mitverantwortlich ist.

Eine Verstopfung ist ein ganz großes Problem in Bezug auf Autoimmunerkrankungen, denn Giftstoffe und Abfallprodukte verbleiben in diesem Fall viel länger im Darm als sie es sonst tun würden.

Vergiftungen

Wenn man beispielsweise – aus welchem Grund auch immer – einen Giftstoff zu sich genommen hat, der normalerweise sehr zügig durch den Darm rutscht und auch eher die Darmbeweglichkeit beschleunigen sollte, dann wird das unter Umständen richtig problematisch. Der Giftstoff hat viel länger Zeit, um von der Darmschleimhaut aufgenommen zu werden, wenn der Darm gelähmt ist und träge reagiert. Und wenn dann auch noch ein Leaky Gut vorliegt und der Darm extrem undicht ist, dann sind die Chancen, dass die Gifte wieder zurück in den Körper kommen, noch viel größer als sonst.

Schwermetallvergiftungen, Quecksilbervergiftungen und dergleichen können zu Verstopfung führen. Durch die Verstopfung kann dann ungünstigerweise wiederum mehr Schwermetall in den Körper aufgenommen werden. Und das kann wiederum zur Verstopfung führen. Die Katze beißt sich hier wieder in den Schwanz.

Entzündungen

Wenn an irgendeiner Stelle oder der Körper insgesamt entzündet ist – speziell der Darm – geschieht das vor allen Dingen durch verschiedene Nahrungsmittel, die man nicht verträgt. Ganz oben auf der Liste stehen hier wieder die Lektine. Auch Hämagglutinine können hochgradig entzündlich sein. Wenn beispielsweise Hülsenfrüchte nicht richtig verarbeitet wurden oder ihnen gegenüber eine erhöhte Empfindlichkeit besteht, kann das zu ganz starken Entzündungen führen.

Hämagglutinin – wie man es auch bei Chili sagt – brennt zweimal. Was wir dann sehr intensiv merken, weil es weh tut, das betrifft den gesamten Darm. Diese Inflammation, die wir am Enddarm spüren, die macht der komplette Darm durch. Also ein richtig heftiges Chili zu essen, ist grundsätzlich eine nicht so wahnsinnig gute Idee. Es führt zu Entzündungen im Darm – ist also ein entzündungsförderndes Nahrungsmittel.

Autoimmunerkrankungen und Chili - scharfes Essen

Fehlende Ballaststoffe

Ein zweiter Grund für Verstopfung ist die nicht ausreichende Aufnahme von Ballaststoffen und flüssigkeitsbindenden Stoffen – die nicht ausreichende Aufnahme von Wasser im Allgemeinen. Genauer erklärt: Es kommt zu Verstopfungen, wenn wir in Bezug auf unseren eigenen Durst nicht genügend trinken.

Ich bin nicht so ein großer Freund des Trinkens von drei Litern Wasser am Tag. Wenn man sehr viel Gemüse zu sich nimmt, ist es nicht nötig, so extrem viel zu trinken.

Es kann zu Dysbiosen kommen – also zu wenig Laktobazillen im Wesentlichen und keinerlei Aufnahme von Fermenten.

Stress

Emotionaler Stress kann ebenfalls eine Verstopfung auslösen. Typisch hierfür ist die sogenannte „Urlaubsobstipation“, wenn man irgendwo, aber nicht zu Hause ist, dass man dann überhaupt nicht mehr kann. Da gibt es immer die zwei Möglichkeiten: entweder Durchfall oder Verstopfung.

Verzögerte Toilettengänge

„Ich halte so lange an, bis ich zu Hause bin und gehe dann erst aufs Klo.“ Das ist keine ideale Gewohnheit und löst eine Konditionierung des Darms aus, so dass der Körper nur in der Lage ist, den Darm zu entleeren, wenn man zu Hause und an einer bestimmten Stelle ist. Dieser Umstand kann möglicherweise dazu führen, dass eine Entleerung überhaupt nicht mehr möglich ist.

Hormonelle Dysbalancen

Hormonelle Dysbalancen – und hier ganz oben natürlich die Schilddrüse mit einer verminderten Funktion – führen massiv zu Verstopfung. Aber auch starke Dysbalancen in den Geschlechtshormonen und auch Nebennierenprobleme können zu Verstopfung führen. Ebenso akute Magen-Darm-Infektionen, aber auch einfach fieberhafte Infekte. Wenn man jetzt nicht gerade noch Durchfall dazu hat, kann es sein, dass man ein paar Tage mal nicht auf die Toilette kann. Das ist in dem Fall auch nicht so günstig, weil dann Keime im Darm zurückbleiben können. Da macht es manchmal Sinn, etwas nachzuhelfen und einen Einlauf zu machen, um die Giftstoffe schneller aus dem Darm herauszubekommen. So lässt sich eine Infektion zügiger bekämpfen.

Bewegungsmangel

Unzureichende Bewegung ist natürlich auch ein möglicher Grund. Wenn man beispielsweise den ganzen Tag viel sitzt (Arbeit, Auto, PC, Fernseher – und gegebenenfalls dabei auch noch essen). Dann geht man irgendwann ins Bett und am nächsten Tag beginnt dieser Ablauf wieder von vorne. So findet so gut wie keine Bewegung statt.

Wer stark mit Verstopfung zu tun hat, sollte sich so viel wie möglich bewegen. Es gibt ein paar Videos zu Verstopfungsyoga mit speziellen Übungen für die Bauchmuskulatur, um diese zur Bewegung anzuregen und den Darm auf diese Weise in Gang zu bringen. Das soll Berichten zufolge hervorragend funktionieren.

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Medikamente

Medikamente können Verstopfungen auslösen. Vor allen Dingen Opiate verursachen mitunter eine extreme Lähmung des Darms. Dagegen kann man leider auch nur relativ wenig machen. Die Verstopfung durch Opiate ist sehr therapiefraktär. Ebenfalls ist es schwierig mit Muskelrelaxantien und zum Teil mit Diuretika. Wenn man entwässernde Mittel gibt, wird der Stuhl sehr hart.

Antidepressiva sind auch ganz oft verstopfungsauslösend. Antihistaminika können Verstopfungen ebenfalls auslösen und auch einige Supplemente. Eisen zum Beispiel hat diese zwei Eigenschaften: entweder Durchfall oder Verstopfung. Und dann wird der Stuhl so richtig schön schwarz. Und das sieht nicht nur seltsam aus, sondern kann auch sehr unangenehm werden.

Zu wenig Magensäure

Wenn nicht mehr ausreichend Magensäure vorhanden ist, weil sie durch Protonpumpen-Inhibitoren gehemmt ist, dann gibt es ein Problem, weil die Magensäure einen Reiz im Zwölffingerdarm auslöst, dass die Bauchspeicheldrüse nun ausreichend Bauchspeicheldrüsenenzyme ausschütten soll. Und diese wiederum haben auch einen großen Anteil daran, ob der Stuhl die richtige Konsistenz hat.

Zu wenig Magensäure führt nicht immer zu Verstopfung. Es kann ebenso Durchfall auftreten, doch eine Verstopfung ist das häufiger auftretende Symptom.

Woran ist eine Verstopfung erkennbar?

Wenn man eine Verstopfung feststellen will oder glaubt, eine Verstopfung zu haben, oder wenn man eine Verstopfung hat und wissen möchte, wie oder ob es besser wird, dann sollte man zuerst verschiedene Kategorien festlegen, um den Stuhl zu beurteilen.

Die erste Kategorie ist die Konsistenz. Vielleicht kennen einige die Bristol-Stuhl-Skala. Mit ihr werden sieben verschiedene Stadien festgelegt.

Das andere ist die Häufigkeit der Toilettengänge am Tag. Normal ist einmal bis dreimal täglich. Dabei sollte man darauf schauen, wie die Entleerung ist. Ist es schmerzhaft, muss sehr stark gepresst werden oder geht es relativ leicht und einfach?

Schlussendlich ist es wichtig, dass die Entleerung vollständig ist. Besteht ein Gefühl einer vollständigen Entleerung oder muss man mehrmals aufs Klo? Das letzte Stück des Mastdarms sollte sich normalerweise füllen und komplett entleeren. Und dann sollte erst einmal für die nächste Zeit auch Ruhe sein und nicht passieren, dass man innerhalb der nächsten zwei Stunden schon wieder auf die Toilette geht.

Dieses Gefühl, dass der Darm nicht richtig leer wird, ist sehr unangenehm und kann oft ein Zeichen dafür sein, dass die Schleimhaut im Enddarm entzündet ist. Auch die dicke, angeschwollene Schleimhaut kann den Reiz von Stuhldrang auslösen, so dass man ständig das Gefühl hat, man müsse aufs Klo.

Was kann ich gegen Verstopfungen tun?

Dieser erste Teil soll darauf abzielen, dass man an seinem Lebensstil das eine oder andere verändern kann, um Verstopfungen aus dem Wege zu gehen. Im nächsten Teil geht es um bestimmte Supplemente – was sich auf natürlichem Wege machen lässt, um akut und langfristig etwas gegen Verstopfung zu unternehmen.

Feststellen von eventuellen Nahrungsmittelintoleranzen

Es ist überaus wichtig herauszufinden, ob es Nahrungsmittelintoleranzen gibt. Die meisten Menschen merken davon relativ wenig, wenn sich der Darm entzündet. Eventuell etwas Schmerzen, aber mehr nicht. Was man aber ganz gut bemerkt ist, wenn sich der Enddarm entzündet. Dann hat man wirklich so eine Art Schwellungsgefühl.

Große Trigger sind oft Hülsenfrüchte oder auch bestimmte Getreide. Das ist bei mir der Fall. Ich dachte viele Jahre, dass ich Hämorrhoiden hätte, weil die Symptome entsprechend darauf hinwiesen. Tatsächlich habe ich einfach einige Nahrungsmittelintoleranzen, die ähnliche Symptome mit Schwellung der Schleimhaut und Schmerzen und dergleichen verursachen. Seitdem ich die ganzen Sachen nicht mehr esse, habe ich auch keinerlei Beschwerden mehr in der Richtung.

Autoimmunerkrankungen und Verstopfung - Verstopfungsyoga

Anpassen der Ernährung

Man sollte ausreichend Fett essen, damit der Stuhl die richtige Konsistenz hat. Wenn man gar kein oder viel zu wenig Fett isst, dann kann das schwierig werden. Ebenso sollte man genügend Salz zu sich nehmen sowie Nahrungsmittel mit ausreichend Ballaststoffen – also grünes Blattgemüse und ein bisschen Obst. Obst jedoch nicht so viel, aber eine möglichst große Auswahl von verschiedenen Sachen. Auch Probiotika wären eine Möglichkeit.

Fermente sind nicht zu unterschätzen. Kimchi beispielsweise kann sehr durchschlagende Wirkungen erzielen – vor allen Dingen dann, wenn man es nicht gewohnt ist. Fermente sind eine super Möglichkeit, um zum einen die Flora zu unterstützen und zum anderen dafür zu sorgen, dass regelmäßig Wasser und eine ausreichende Aufnahme von resistenter Stärke gegeben ist. Die kann man als Pulver fertig aufnehmen oder über Nahrungsmittel, die diese Stärken beinhalten. Wenn bestimmte Nahrungsmittel wie Kartoffeln und Reis abkühlen, dann bildet die Stärke bestimmte Glykelierungen aus, die eine gelartige Struktur entstehen lässt. Dadurch entsteht die resistente Stärke. Ab und zu mal eine kalte Kartoffel und kalten Reis zu essen, macht also sehr viel Sinn.

Ausreichend schlafen und viel bewegen

Ausreichend Schlaf ist super wichtig – möglichst gesunder Schlaf. Eventuell kann auch ein kurzer Mittagsschlaf als Ritual helfen. Und wie schon erwähnt sollte man sich möglichst viel bewegen, öfter spazieren gehen an der frischen Luft. Prima sind auch Yoga, Pilates oder Bauchtanz.

Weitere Tipps

Was auch helfen kann, Verstopfungen zu reduzieren oder ganz zu vermeiden, sind eventuell Stressreduktion, Meditation – und die sogenannten Toilet-Habits. Man sollte wirklich versuchen, sofort dann auf die Toilette zu gehen, wenn man muss. Man sollte aufpassen, dass man nicht presst und nicht versucht, den Stuhlgang zu beschleunigen.

Förderlich ist es, die Füße so ein bisschen hochzukippen oder einen kleinen Hocker beziehungsweise eine Fußbank zum Abstellen der Füße zu nehmen. Dass in vielen Kulturen der Welt im Hocken aufs Klo gegangen wird, hat durchaus seinen Sinn.

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Über die Autorin

Simone Koch ist Expertin für Autoimmunerkrankungen. Sie beschäftigt sich vor allem mit Hashimoto und Darmerkrankungen. Zusätzlich entwickelt Sie neue Rezepte für Menschen mit Nahrungsmittelintoleranzen.

Disclaimer: Dr. Simone Koch ist auf diesem Blog nicht als Ärztin tätig. Sie führt hier keine Behandlungen oder Beratung von Patienten durch. Sie veröffentlicht hier ausschließlich Ihre eigene Meinung und Erfahrungen rund um Autoimmunerkrankungen. Die in diesen Beiträgen enthaltenen Informationen können keine Beratung durch einen Arzt ersetzen, und sind keine medizinischen Anweisungen. Die Informationen dienen der Vermittlung von Wissen. Die Umsetzung von Therapien und Behandlungsplänen sollte mit einem qualifizierten Therapeuten erfolgen.