Oftmals bekommt man beim Arzt nicht die konkrete Diagnose einer Hashimoto-Thyreoiditis, sondern die einer Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion). Dass man eine Autoimmunerkrankung hat, wird in den meisten Fällen nicht gesagt. Der Arzt rät dazu, ein ganzes Leben lang Tabletten zu nehmen und gibt dir vielleicht noch mit auf den Weg, dass du froh sein sollst, das deine Erkrankung behandelbar ist und dass du dich mit der Situation abfinden musst da deine Erkrankung ohnehin nicht heilbar ist.

Ist das so? Kann man da nicht sonst noch irgendetwas machen?

Welche Möglichkeiten gibt es noch? Gibt es noch Alternativen zum T4, zum Eltroxin, wenn ja, welche? Was macht unsere Schilddrüse selber normalerweise?

Hierzu werfen wir einen Blick auf die Physiologie.
Unsere Schilddrüse produziert normalerweise eine ganze Reihe von Hormonen wie T0, T1, T2, T3, T4 und Kalzitonin. In der normalen Schilddrüsenbehandlung wird üblicherweise T4 gegeben. Aus der Fachliteratur und laut Aussagen von Endokrinologen weiß man von T3, dass wir es brauchen aber was ist mit den restlichen Hormonen? Unser Körper ist ein effektiver und effizienter Organismus. Kann es sein, dass er vier verschiedene Hormone produziert, die überflüssig sind? Ganz klar nein.

Inzwischen weiß man beim T2, an dem sehr viel geforscht wurde, dass es sehr hohe Auswirkungen auf den Metabolismus und auf den Stoffwechsel hat und dass es ganz stark entscheidend für den Kälte-Wärmehaushalt und für die Gewichtsregulation ist. T2 ist somit definitiv nicht wirkungs- oder sinnlos, sondern überaus effektiv.

Der Einsatz von T2 ist noch etwas heikel. Es gibt inzwischen synthetisches T2, das aber noch nicht auf dem freien Markt zur Behandlung von Patienten zugelassen ist. Anfänglich wurde angenommen, dass man es dem Patienten verabreichen kann und das Hormon für eine Gewichtsreduktion bzw. Gewichtskontrolle sorgen wird. Man hat dann aber festgestellt, dass sich hohe T2 Gaben auf den TSH-Wert auswirken und das dann von den anderen nicht ausreichend produziert wird. Diese Hormone stehen alle in einem gewissen Verhältnis zueinander und dieses Verhältnis ist physiologisch und von der Natur so vorgesehen.

Sobald dieses Verhältnis nicht mehr stimmt tauchen Probleme auf. Wenn beispielsweise nur T4 verabreicht wird, führt das zu einer hohen Belastung. Die ohnehin geschwächte Schilddrüse muss für die Produktion der anderen Hormone sorgen, damit das Verhältnis der Hormone zueinander wieder in Einklang kommt. Mit einer Autoimmunkrankheit schafft das die Schilddrüse unter Umständen nicht.

Autoimmunerkrankungen gehen mit entzündlichen Prozessen und mit Entgiftungsstörungen einher. Sie entwickeln Probleme in der Leber und es entstehen unheimlich viele zusätzliche Störungen, die oft dazu führen, dass diese Umsetzung der verschiedenen Hormone nicht mehr gut funktioniert. Studien zeigen, dass nur durch eine reine T4 Gabe ungefähr 70 Prozent der Patienten kein wirkliches Wohlbefinden erreichen. Hierzu gibt es jedoch auch Studien, die das Gegenteil belegen.

Welche weiteren Möglichkeiten?

Es kann synthetisches T3, die aktive Hormonform der Schilddrüse, verabreicht werden. T3 bzw. der T3 Spiegel ist das Entscheidende und Wichtige während T4 nur eine ganz geringe Restwirkung in der Schilddrüse hat. Entgegen der Meinung, T4 sei völlig irrelevant und eine reine T3 Gabe wäre ausreichend, ist inzwischen klar, dass unser Körper diese Stabilisation über einen bestimmten T4 Spiegel als sehr angenehm empfindet und dass vor allen Dingen bei Abweichungen Herzbeschwerden auftreten, zumindest bei empfindlichen Patienten.

Eine gute Kombination von T4 und T3 ist somit das Optimum. T3 gibt es in einer Einzelform, das ist in Deutschland das Thybon und es gibt Kombinationspräparate wie zum Beispiel das Novothyral. Bei den meisten Hashimoto Patienten ist auf lange Sicht eine Gabe von einer T3-haltigen Medikation empfohlen, weil die Eigenkonversion des T3 nicht gut funktioniert. Konversionsstörungen, bei welchen T4 nicht ausreichend und nicht wie üblicherweise in T3 umgesetzt wird, sind bei Hashimoto-Thyreoiditis extrem häufig, so dass man sein Augenmerk besonders darauf legen sollte.

Zu T2 gab es einige Forschungen und es gibt schon eine synthetische Form davon aber bisher ist es nicht käuflich. Wenn man das aber einnehmen möchte, gibt es im Augenblick nur eine Möglichkeit und das ist das Schilddrüsenextrakt. Schilddrüsenextrakt gibt es schon unheimlich lange. Schon weit bevor es das Eltroxin gab, wurden Schilddrüsenerkrankungen (Hypothyreosen) mit Schilddrüsenextrakt behandelt.

Myxödem (starke Ödeme ausgelöst durch Hypothyreose), das dann in letzter Instanz auch eben zum Todesfall führt, ist seit langer Zeit bekannt und beschrieben und man hat schon sehr früh angefangen, Patienten mit einem Extrakt aus der Schilddrüse des Schweins sehr erfolgreich zu behandeln. Die Medikation mit Schweineschilddrüsenextrakt ist somit sehr alt. Das Problem war damals, dass es sehr instabil war, denn es hing ganz stark davon ab, in welcher körperlichen Verfassung das Tier war. Das ist übrigens immer noch das Problem, wenn man entsprechende Nahrungsergänzungsmittel oder Rinderschilddrüse einnimmt. Das Problem ist immer noch dasselbe, es sind keine kontrollierten vermischten Chargen, wo die richtige Menge an T3 und T4 enthalten ist, sondern variiert teilweise sehr stark. Das einzig pharmazeutisch kontrollierte ist inzwischen die Schweineschilddrüse.

Wegen der Instabilität hatte Schweineschilddrüse diesen schlechten Ruf. Es gab Chargen, die wirkten wenig bis gar nicht und Chargen, die wirkten sehr stark und eine stabile Einstellung des Patienten war schwer möglich. Als man dann vor 40 bis 50 Jahren das Eltroxin entwickelt hat, war das ein großer Fortschritt, denn man hatte jetzt etwas, das stabil messbar war und den Patienten damit einstellen konnte. Auch im Bereich der Schweineschilddrüse gab es seitdem einen großen Fortschritt. Inzwischen ist es kontrolliert, man kann genau sehen, welche Mengen an T3 und T4 enthalten sind.

Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis Schilddrüsenerkrankung

Ein weiterer Grund, warum die Verabreichung von T3 einen schlechten Ruf hat und die Ärzte im Allgemeinen bei der Behandlung mit T3 sehr zurückhaltend sind, ist die Episode, die es vor ungefähr 30 Jahren gab. Damals hat man versucht, Übergewicht mit T3 zu behandeln und die Patienten wurden teilweise auf massive Dosen eingestellt. In den USA war es zum Teil auch frei verkäuflich und Patienten haben riesige Mengen T3 eingenommen, so dass es regelmäßig zu Notfällen mit thyreotoxischen Krisen kam, die fast tödlich endeten. Man hat damit versucht drastische Gewichtsreduktionen zu erreichen.

Wenn T3 ethisch und aufmerksam eingesetzt wird, ist es überhaupt nicht problematisch oder schlimm, sondern etwas, das unser Körper ganz dringend braucht. Natürlich gibt es auch diese Fälle, bei denen T3 als Doping und zur Leistungssteigerung eingesetzt wird. Wenn jemand aber selber fast gar keine Schilddrüse mehr hat, kein T3 produziert und die Leber auch noch gestört wird und die Konversion nicht richtig funktioniert, für den kann es unglaublich heilbar und vorteilhaft sein. T3 ist zunächst grundsätzlich nicht böse, sondern ganz entscheidend ist, dass es wirklich vorsichtig und sinnvoll eingesetzt wird für die Menschen, die es wirklich brauchen.

Das sind die Möglichkeiten, die wir bei der Schilddrüsenbehandlung haben und um die Schilddrüse einzustellen. Kombinationspräparate, T3, T4, reines T4, reines T3 und Schilddrüsenextrakt. Üblicherweise werden T4 und T3 von der Krankenkasse übernommen. Ein Großteil der Patienten profitiert doch sehr von der Schilddrüsenextraktgabe. Wenn man unter T3, T4 und der synthetischen Hormone kein Wohlbefinden erreicht, lohnt sich der Versuch mit Schilddrüsenextrakt um zu sehen, ob der Patient dadurch eine Besserung erreicht.

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis ist es wichtig zu beachten,

dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt und viele der Beschwerden durch das Immunsystem bedingt sind. Unabhängig davon wie gut die Schilddrüsenhormone eingestellt sind. Wenn man die Immunlage und das Problem des Immunsystem nicht in den Griff kriegt und nicht verbessern kann, dann wird wahrscheinlich die Erkrankung selber auch nicht deutlich besser werden. Man muss immer das Gesamte im Blick haben. Die Schilddrüse, das Organproblem selbst und das Immunsystem, was der Auslöser für die Erkrankung ist.

Welcher Arzt kann helfen?

Eventuell stellst du dir noch die Frage, zu welchem Arzt du gehen solltest. Grundsätzlich nehmen alle Hausärzte Schilddrüsenbehandlungen vor. Unter ihnen gibt es einige, die über ein großes Wissen in diesem Bereich verfügen. Viele Ärzte müssen sich jedoch eigenständig in diesem Fachbereich weiterbilden da dieses Thema im Studium nicht stark behandelt wird. Wenn dein Hausarzt sich in diesem Bereich nicht gut auskennt, schickt er dich zum Endokrinologen. Das Problem bei den Endokrinologen ist, dass sie sich mehr auf die größeren Organe, auf die schwerwiegenden Erkrankungen konzentrieren. Insbesondere auf Diabetes, aber auch auf Geschlechtshormone. Schilddrüse ist in den seltensten Fällen da ein großes Thema und dann orientieren sie sich meistens sehr an den Normgrenzen.

Viele Ärzte, die sich mit der Schilddrüse auskennen, sind in den meisten Fällen selbst Betroffene, die sich entsprechend damit beschäftigen und auch aufgeschlossen gegenüber weiteren Ideen sind. Ich persönlich finde es wichtig, dass das Arzt-/Patientenverhältnis ein partnerschaftliches Verhältnis sein sollte, wo man miteinander einen Weg zur Heilung bzw. zum Wohlbefinden sucht. Weil die Hashimoto-Thyreoiditis selbst nicht wirklich heilbar ist. Also die Neigung dazu verfolgt den Patienten den Rest aller Tage und für immer. Es kann eine sogenannte Remission erreicht werden, man kann also mit der Erkrankung in Remission gehen, aber das ist oft schwierig. Was wir da alles unternehmen können, wie man das Immunsystem behandelt und was da noch dahinter steht besprechen wir in einem gesonderten Video.

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