Auch wenn man noch so sehr hofft, dass es einem nicht passiert, kann es einen jederzeit ereilen – ein Schub. So geht es mir gerade! Das Immunsystem dreht frei und die Hormone spielen Achterbahn. Woran erkennst du einen Schub und was kannst du tun?

Was bedeutet es einen Hashimoto-Schub zu haben?

Ein Schub bedeutet, dass das Immunsystem, das sich davor in Balance befand, plötzlich auf die Barrikaden geht und anfängt alles mögliche anzugreifen und total dekompensiert. Im Zuge dessen kann es eben auch, bezogen auf die Hashimoto-Thyreoiditis, zu extremen Wertschwankungen kommen und ebenfalls zu unverhältnismäßigen Überfunktionen. Oft ist man zwischenzeitlich sehr unruhig, man kann an Gewicht verlieren, Haare können ausfallen, man hat vielleicht Herzrasen und schlafen kann man auch nicht mehr. Aber auch das Gegenteil kann vorliegen, dass man sich sehr müde und erschöpft fühlt. Etwas, das noch ganz oft dazu kommt sind Muskelschmerzen, Schmerzen im muskulären Apparat. Schmerzen wie Muskelkater, obwohl man sich überhaupt nicht betätigt hat.

Wenn es mir zum Beispiel gut geht und meine Schilddrüsenwerte ok sind, habe ich Locken, wenn meine Schilddrüsenwerte total mies und schlecht sind, sind meine Haare glatt und strähnig. Das würde mich mal interessieren ob das bei anderen auch so ist. Das ist bei mir zum Beispiel ein Zeichen, dass meine Schilddrüsenwerte schlecht sind wenn meine Haare wie Unkraut nach unten hängen, da ich eigentlich eine Naturkrause habe. Das fände ich spannend zu hören, denn ich habe auch schon ein paar Mal von Patienten gehört, dass sie das ebenfalls sofort an den Haaren sehen.

In der Unterfunktion und im Schub sind bei mir ebenfalls die depressiven Symptome sehr ausgeprägt. Durch die Autoimmunreaktion – die Hashimoto Antikörper greifen auch gerne Sehnen und muskuläres Gewebe an – merke ich das außerdem ganz schnell mit ganz starken muskulären Schmerzen wie Muskelkater.

Ursachen für einen Schub können multiple sein, ein ganz wesentlicher Grund ist Stress. Also wenn man sehr viel Stress hat und das nicht richtig kompensieren kann, dann kann es zu Beschwerden kommen und ich erzähle jetzt einfach als Beispiel, wie es bei mir aktuell war. Das muss natürlich nicht bei jedem sein, aber als Beispiel welche Symptome auftreten können und auf was ihr achten müsst, wenn ihr den Verdacht habt, dass ihr einen Schub haben könntet und was ihr euch vor allen Dingen nicht einreden lassen solltet.

Bei mir war es wahrscheinlich so, dass ich bereits Ende des Sommers vermutlich eine hyperthyreote Phase hatte. Diese Phase war aber nur latent und damit ging es mir sehr gut. Obwohl ich sehr viel gegessen habe und auch zum Teil Nahrungsmittel, die sehr hochkalorisch waren, war mein Gewicht absolut stabil. Niedriges Gewicht, kein Gramm Gewichtszunahme, damit war ich rundum zufrieden.

Ich habe aber teilweise ganz schlecht geschlafen, habe Schlafstörungen gehabt und viele Nächte nur sehr wenig geschlafen aber das hat mich nicht gestört, ich habe mich damit wohl gefühlt und es war für mich total in Ordnung. Ja und jetzt plötzlich von einem Tag auf den anderen – mehr oder weniger – kippte das. Das ist etwas ganz typisches für einen Schub. Extreme Müdigkeit, totale Erschöpfung und insbesondere bei mir eine depressive Verstimmung. Keine Lust mehr auf gar nichts und auch das Gefühl, dass mein Leben eigentlich keinen Sinn hat und dass alles ganz schrecklich und furchtbar ist. Und wenn man das weiß und kennt, dann kann man einfach sofort sehen und sagen, dass es die Schilddrüse sein könnte und nicht zum Psychiater gehen oder sich einreden lassen, dass alles psychisch sein könnte.

Ich habe dann sofort Werte bestimmen lassen und siehe da, die freien Werte bei einem Prozent, der TSH noch in Ordnung aber dieser ist in dem Fall nicht so sehr relevant. Bei mir liegt ein Nährstoffproblem vor, Eisen völlig im Keller.

Nun sollte man überlegen, woran es denn liegt

Zum einen habe ich ziemlich viel Stress. Ich arbeite sehr viel, habe zwei kleine Kinder, einen großen Haushalt zu führen und das alles zusammen ist meiner Meinung nach mehr als eine einzelne Frau eigentlich leisten kann. Das ist ein großes Problem unserer Zeit, dem vermutlich alle berufstätigen Mütter ausgesetzt sind und wo man eben mal mehr oder mal weniger gut mit zurecht kommt. Diesem Stress bin ich jedoch schon sehr lange ausgesetzt und das ist daher vermutlich gar nicht der Auslöser. Jetzt muss man überlegen, was man eventuell geändert hat. Frage dich gezielt: Was hat sich geändert in letzter Zeit? Was gibt es denn für Verdachtsmomente?

Unser Kaffeevollautomat ist leider irreparabel kaputt gegangen und ich muss ja zu meiner Schande gestehen, dass ich relativ viel Kaffee trinke. Also mehr als für mich gut ist und in unserer Verzweiflung und weil wir kein Geld für irgendwas anderes hatten, haben wir eine Kapsel-Maschine gekauft. Und obwohl ich eigentlich weiß, dass das überhaupt nicht gut ist, habe ich trotzdem diesen Kapselkaffee getrunken. Kapselkaffee ist deshalb problematisch weil er relativ häufig glutenkontaminiert ist und ich fürchte, dass das auch mit ein bisschen der Fall war, weil das würde erklären, warum meine Eisenspiegel so abgerauscht sind von 150 auf 30 und dass der Darm einfach nicht in Ordnung ist. Ich hatte auch wieder zunehmend Magen-Darm-Beschwerden.

Und eine andere Sache noch: Ich habe innerhalb von zwei Wochen dreieinhalb Kilo zugenommen, nachdem ich vorher sieben Monate fast absolut hundertprozentig stabil war mit meinem Gewicht. Und ich finde ich sehe am ganzen Körper aus, als hätte ich besonders viel Wasser eingelagert und wäre auch irgendwie massiv dicker geworden, obwohl ich eher weniger gegessen habe, weil ich es schon gemerkt habe, dass das Gewicht rasant nach oben ging. Und auch das ist ein ganz deutliches Zeichen dafür, dass der Stoffwechsel total in den Keller gegangen ist und dass man sich in einem Schub befindet.

Zweitens: Ich habe sehr stark gefroren. Die ganze Zeit ununterbrochen gefroren, so sehr, dass mein Mann schon gesagt hat, “Oh Gott, du hast ja eiskalte Hände, warum bist du so kalt?”. Trotz laufender Heizung und Kamin war mir ständig kalt.

Hashimoto Schübe Erschöpfung und Müdigkeit

Die größte Veränderung war wohl der Kapselkaffe, also habe ich den weggelassen und bei der Gelegenheit habe ich dann gleich ganz aufgehört Kaffee zu trinken bzw. inzwischen bin ich bei einer halben Tasse. Ich schleiche den sozusagen langsam aus und bin umgestiegen auf Curcuma, also auf goldene Milch, um da meine Leber zu unterstützen und ihr entsprechend zu helfen.

Was hatte ich noch geändert? Ich hatte wieder angefangen Milch in meinen Kaffee zu geben. Etwas, was ich auch lange nicht mehr gemacht hatte. Ich weiß auch gar nicht so genau warum, ich war ganz viel in Hotels und da habe ich mir das dann wieder angewöhnt. Dadurch waren dann meine freien Werte total mies, also ein FT3 von 1,9. Meinen Patienten sage ich in dem Fall immer, dass man damit so gut wie nicht lebensfähig ist.

Also habe ich wieder Schilddrüsenmedikation reingenommen und das Tolle ist dann mal, wenn man damit dann anfängt ein Viertel Grain unter der Zunge zergehen lassen und man hat das Gefühl, jemand hebt einem den schwarzen Vorhang und es wird wirklich sofort erstaunlich besser. Wenn es denn wirklich an der Hypothyreose liegt. Wenn es die Autoimmunreaktionen sind dann hilft es nicht.

Wenn ein Schub auftritt sind extreme Akutmaßnahmen wichtig

Alles, was man geändert hat – sollte man nun wieder vermeiden! Die toxische Belastung so gut wie möglich minimieren. Alles versuchen herauszunehmen und gegebenenfalls fasten. Also mal eine zeitlang Suppenfasten oder ähnliches, um die toxische Belastung so niedrig wie möglich zu halten. Die Leber in ihrer Funktion unterstützen. Es gibt tolle Kombinationspräparate für die Leber, die Jerusalemartischocke, Mariendistel, Pfefferminze und Löwenzahn. Viel Schlaf ist wichtig, aber das macht man oft eigentlich auch schon von alleine und da entsprechend dranbleiben und darauf achten, dass man sich wieder stabilisiert und wieder auf null geht.

Und warum erzähle ich euch das alles? Zum einen um einfach zu sagen, dass keiner davor gefeit ist, es kann jedem und jederzeit passieren. Wir sind niemals plötzlich wieder gesund. Es kann jederzeit zu einem Schub kommen und Probleme geben. Und zum anderen, um euch einen Überblick zu geben was man tun kann und wie man bei einem Schub agieren sollte. Wichtig ist die Ursachensuche. Finde heraus, was sich geändert hat. Stress ist ein unheimlich wichtiger Faktor aber meistens nicht der einzige.

Wichtig ist auch jegliche anderen Belastungen zu minimieren. Gönne dir viel Schlaf, achte wieder mehr auf dich selbst, gehe ganz stark zurück und setze vielleicht die Medikation hoch.

Das ist aber auch ein Grund, warum ich das Video gemacht habe. Es geht nicht nur darum, dass ein Hochsetzen der Medikation nötig ist, sondern, es ist eben ein autoimmuner Schub und Ziel ist es, das Immunsystem wieder in den Griff zu bekommen. Und ganz wichtig ist natürlich auch die Nährstoffe aufzufüllen. Bei mir muss zum Beispiel der Eisen-Wert auf einen möglichst vernünftigen Spiegel kommen, damit die Schilddrüse dann auch von alleine wieder funktionieren kann.

Es gibt natürlich auch sehr lange Schübe, das ist aber eher der Fall, wenn das Immunsystem die ganze Zeit schlecht ist und nicht richtig funktioniert. Wenn der Schub über einen sehr langen Zeitraum ist, ist es kein Akutschub. Akutschübe merkt man meistens schon an einer sehr starken akuten Veränderung des Befindens. Und besonders heftig bei Hashimoto – das habe ich bei ganz vielen Patienten beobachtet und eben jetzt gerade auch bei mir selbst – sind Wassereinlagerungen.

Meine Aufgaben sind jetzt: weg vom Honigmarzipan – auch wenn das Paleo ist – und wieder auf eine vernünftige und gute Ernährung kommen und schauen, dass ich trotz Weihnachten in der konsequenten Ernährung bleibe. Auch dass ich eine neue Kaffeemaschine kaufe bzw. vielleicht einfach dabei bleibe, keinen Kaffee zu trinken. Ganz viel für meine Leber tun und die entsprechend unterstützen und hoffen, dass das in den Griff kommt und erst mal wieder Schilddrüsenmedikamente nehmen, obwohl ich sehr stark hoffe, dass es mir auch wieder möglich sein wird, diese wieder auszuschleichen und wegzunehmen.

Für euch ist es ganz wichtig die Werte zu bestimmen. Schilddrüsenwerte sind nicht so teuer. Wenn man FT3, FT4 und TSH machen lässt, sind das 33,00 Euro und man hat dann wenigstens Gewissheit und weiß woran man ist. Das kann jedes freie Labor machen. Geht es dir schlecht, schau sofort was da los ist, was passiert da eigentlich?

Fragen rund um Hashimoto aus dem Live-Video

Beim Fasten vertrage ich keine Knochenbrühe. Was kann ich tun?

Du musst nicht unbedingt mit Knochenbrühe fasten. Man könnte auch Saftfasten machen oder einfach ein Suppenfasten mit leckeren Suppen. Das dürfen auch gerne ganz viele unterschiedliche sein. Ziel ist es, entsprechend runterzugehen mit dem, was man an Belastung in den Körper gibt (Toxic Load). Und wenn du alles kochst, entkernst usw. dann ist die Belastung für den Darm wesentlich geringer und du kannst es schaffen, dass der Darm wieder besser dicht wird.

Wohin verschwindet immer das Eisen?

Das ist eine gute Frage. Zum einen ist es ein Verlust über den Darm, das heißt, wenn der Darm dann leaky wird, also eine Darmpermebilitätsstörung aufweist. Zum anderen gibt es einen ganz stark erhöhten Bedarf im Schub durch bestimmte Prozesse. Und als Drittes ist es so, dass es, wenn der Darm gerade stark beansprucht ist, es zu Mikrohämatodyse kommt. Hierbei werden kleinste Mengen Eisen über den Darm verloren und das merkt man so erst mal nicht, kann aber einen massiven Einfluss haben. Und dann spielt noch eine große Rolle bei Frauen – und das oft wenn die Schilddrüsenwerte total schlecht sind – die Blutung extrem wird. Bei mir ist das auch so, wenn meine Schilddrüsenwerte schlecht sind, dann wird meine Menstruation sehr stark und zum Teil verliert man eben darüber dann auch massiv Eisen. Der TSH, ja der sagt schon was aus, kommt darauf an ob man eben Schilddrüsenhormone nimmt oder nicht aber FT3, FT4 auf jeden Fall und ein reverses T3.

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