Hashimoto-Thyreoiditis und die Antibabypille

Wie ist das eigentlich mit Hashimoto und der Antibabypille? Mehrfach seid ihr auf mich zugekommen und habt mich gefragt, ob ich das Thema Antibabypille aufgreifen kann – vor allen Dingen im Zusammenhang mit Schilddrüsenerkrankungen. Ihr habt auch schon ganz konkrete Fragen gestellt: „Wie ist das mit Schilddrüsenerkrankungen beziehungsweise mit Autoimmunerkrankungen in Kombination mit der Pille?, Inwiefern spielt sie da eine Rolle und welche Auswirkungen hat die Einnahme im Falle einer Hashimoto-Thyreoiditis?, Inwiefern ist das mit der Pille ein Problem?“, auf die ich in diesem Beitrag eingehen werde. Fangen wir aber erst einmal mit dem Basiswissen an:

Woraus besteht die Antibabypille?

Abgesehen von der Minipille besteht die Antibabypille aus Ethinylestradiol, das ist ein künstlich verlängertes Östrogen. Durch die künstliche Verlängerung wird es in seinem Abbau über die Leber stark gehemmt und verbleibt so sehr viel länger im Körper. Man erreicht sie einen langfristigen Spiegel – konkret über 24 Stunden. Gegenüber dem natürlichen Estradiol, wenn man das schlucken würde, würde es sehr schnell über die Leber „verstoffwechselt“ und nicht mehr aufrechterhalten werden. Genau das wird verhindert, indem man diese Ethylgruppe anhängt.

Ethinylestradiol

Für die Leber ist es wesentlich schwieriger, das Ethinylestradiol zu verstoffwechseln. Deswegen führt die Pille auch bei einem gewissen Prozentanteil von Frauen zu einer deutlichen Leberwert-Erhöhung und kann sich schädigend auf die Leber auswirken. Die betroffenen Frauen dürfen dann die Pille nicht mehr nehmen. Man kann sich daraus ableiten, dass somit vielleicht auch bei allen anderen Frauen die Pille nicht so optimal für die Leber sein kann. Ist die Leber langfristig damit beschäftigt, dieses Ethinylestradiol abzubauen, kann sie weniger andere Stoffe abbauen, die schädigend für uns und unser Immunsystem sein können.

Ethinylestradiol, ist einer der Inhaltsstoffe der Antibabypille. Er ähnelt dem natürlichen Östrogen, welches unser Körper eigentlich produziert, hat jedoch üblicherweise immer einen Ethylgruppen-Anhang.

Gestagen versus Progesteron

Es gibt eine Pille, die diese anhängende Ethylgruppe nicht hat. Sie muss deswegen sehr, sehr konsequent immer zur gleichen Zeit eingenommen werden, da sie nicht so eine hohe Toleranz hat. In dieser Antibabypille ist jedoch ein Gestagen drin, was schwierig ist. Das Gestagen ersetzt sozusagen das Progesteron in der Pille.

Sehr wichtig zu wissen: Gestagene sind keine künstlichen Progesterone. Schauen wir uns die biochemische und chemische Struktur dieser Stoffe an, können wir erkennen, dass die Strukturformeln dieser Stoffe völlig unterschiedlich aussehen.

Einerseits gibt es Progesteron-Ableger und dem Progesteron ähnliche Stoffe, wie zum Beispiel Duphaston. Das ist ein künstlicher Progesteron-Ableger, den man in der Kinderwunsch-Behandlung nutzt. Es ist ähnlich wie das Progesteron, nur zehnmal wirksamer.

Die Gestagene hingegen, die in der Pille zur Anwendung kommen, sind keinesfalls wie Progesteron. Sie blockieren die Progesteron-Rezepturen, gaukeln dem Körper eine ständige Progesteron-Ausschüttung über einen bereits stattgefundenen Eisprung vor, haben aber keine der sonstigen positiven Wirkungen des Progesterons. Progesteron ist stark dehydrierend – Wasser wird also ausgeschieden, was vor allen Dingen oft ein Problem bei Östrogendominanzen (Ödeme) ist und auch bei Schilddrüsenerkrankungen entsprechende Probleme bereitet. Progesteron wirkt in hohem Maße antienzündlich. Bei Frauen ist Progesteron das mächtigste antientzündliche Hormon, das zur Verfügung steht. Diese Wirkung, die die Leukotriene, Interleukine und diese ganzen Entzündungsprozesse in unserem Körper in Schach halten können, fällt mit den Gestagenen auch weg. Zudem ist Progesteron stimmungsstabilisierend, wirkt Angststörungen entgegen und sorgt dafür, dass wir insgesamt von der Stimmungslage her einfach stabiler und stressresistenter sind. Auch das fällt weg, wenn wir kein Progesteron mehr produzieren, weil wir Gestagene nehmen.

Ein weiteres Problem mit Gestagenen, neben dem Fehlen der vielen positiven Wirkungen des Progesterons, ist, dass sie unterschiedliche Zusatzwirkungen haben.

Autoimmunerkrankungen und die Antibabypille

Viele Gestagene wirken cortisolartig. Wenn man sich beispielsweise sowieso schon im Nebennierenfehlfunktionsstadium 1 oder 2 befindet und somit ständig zu viel Cortisol hat, dann bewirken die eingenommenen cortisolartigen Gestagene für den Körper eine weitere Belastung durch eine Stressreaktion.

Gestagene können auch eine mineralocorticoide Wirkung haben – so wie das Aldosteron. Das ist oft recht hilfreich, weil man normalerweise eher zu wenig Aldosteron hat. Nichtsdestotrotz ist es auch wieder etwas Künstliches und kann androgenartig wirken. Die Pille bringt Unruhe in den Körperhormonhaushalt und nimmt uns diese starke antiinflammatorische Wirkung des Progesterons weg. In Kombination mit hinzugefügten Gestagenen wird die Leber stark belastet. Und es gibt noch ein weiteres Problem. Es existiert kaum ein Medikament außer den Schmerzmitteln, das so stark Leaky Gut auslösen kann wie die Pille. Darmundichtigkeiten können durch die oral eingenommene Pille also auch mit verursacht werden. Und das ist wiederum ungünstig, wenn man eine Autoimmunerkrankung hat.

Das Problem mit dem SHBG

Dadurch, dass das Ethylestradiol langfristig so einen hohen Spiegel an Östrogenen verursacht und somit eine starke künstliche Östrogendominanz auslöst, möchte der Körper das natürlich gerne loswerden. Dementsprechend schießt er die Hormonproduktion oder die Globulin-Produktion von SHBG (steroidhormonbindendem Globulin) massiv nach oben, und zwar zum Teil auf ein Zehnfaches.

Das Problem dabei ist, dass steroidhormonbindendes Globulin auch unspezifisch Schilddrüsenhormone bindet. Es wird demnach von dem bisschen, was die Schilddrüse vielleicht noch macht, auch noch ein Großteil abgebunden.

Wie kann man die Pille möglichst schonend absetzen?

Durch das Absetzen der Pille geht das hohe SHBG auf ein niedriges Level. Dadurch kann es sein, dass plötzlich viel mehr Schilddrüsenhormone freiwerden. Beim Absetzen muss man also beachten, dass man möglicherweise deutlich weniger Schilddrüsenhormone braucht.

Wenn Überfunktionssymptome auftreten (Herzrasen etc.), sind akut zu viele Schilddrüsenhormone vorhanden, weil sich das SHBG verbessert. Die Leber sollte man unterstützen, damit sie möglichst schnell diese ganzen Abbauprodukte und der gleichen loswerden kann.

Von Vornherein rate ich dazu, zusätzlich Progesteron einzunehmen, um der Wirkung der dann fast immer auftretenden massiven Östrogendominanz nach dem Absetzen der Pille vorzubeugen. Das unterstützt die Leber und bringt Giftstoffe besser heraus. Anschließend ist eine zeitnahe Kontrolle der Schilddrüsenhormone sinnvoll.

Kann man die antiandrogene Wirkung auch ohne Pille hervorrufen?

Nicht wirklich. Es gibt Spironolacton mit einer eigentlich mineralocorticoiden Wirkung, doch es hat auch eine rest-antiandrogene Wirkung. Eigentlich ist es nicht für die Indikation gedacht. Man kann es aber verwenden. Das funktioniert manchmal. Spironolacton hat jedoch auch eine ganze Menge Nebenwirkungen – vor allen Dingen auf die Nebenniere. Insofern ist eher Vorsicht geboten.

Dann wären da natürlich auch die echten Antiandrogene, die ganz massiv in den Hormonhaushalt eingreifen und starke Nebenwirkungen verursachen. Normalerweise ist es das Ultima Ratio der Behandlung bei PCOS – also wenn es irgendwie gar nicht mehr anders geht. Es kommt zu einem extremen Libido-Verlust und einer starken Affektlabilität, sodass man möglicherweise weinerlich wird und reizbar. Man kann es zwar nehmen, aber es ist nicht unbedingt empfehlenswert.

Weiterhin gibt es ein paar natürliche antiandrogene Substanzen, die diesen Umbauprozess hemmen sollen. Diese könnte man verwenden und versuchen, den Östrogenspiegel ein bisschen anzuschieben – zum Beispiel mit Hopfen. Kurkuma ist eine super Substanz, weil es den Steroidabbau insgesamt verbessert. Zugunsten einer Beschleunigung des Abbaus, sodass auch diese starken androgenen Wirkungen seltener auftreten.

Man kann eventuell mit Phytoöstrogenen arbeiten. Das mache ich persönlich aber nicht gerne, weil die Phytoöstrogene auch Östrogendominanzen hervorrufen können.

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Welche Alternativen gibt es?

Ich persönlich finde, dass jede Frau – vor allem junge Mädchen – NFP (natürliche Familienplanung) erlernen sollten. Es wird oft gesagt: „Das ist doch so unsicher!“ Das stimmt nicht. Wenn man es richtig erlernt und wirklich verstanden hat, dann ist es keinesfalls unsicher. Mit dem Pearl-Index der symptothermalen Methode hat man ein Auge auf zwei bis drei Dinge: den Zervixschleim, die Beschaffenheit der Zervix und die Temperatur. Man sollte mindestens zwei davon täglich untersuchen.

NFP liegt bei einem Pearl-Index von 1. Das entspricht den alten Pillen. Es ist also nicht unsicherer als die Pille, sondern ungefähr gleichwertig. Aber es bedarf natürlich einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema. Manch einem ist das zu umständlich. Natürlich gibt es viele weitere Möglichkeiten, die weniger aufwendig sind, zu denen ich jetzt kommen möchte.

Der iButton

Der iButton ist ein Thermometer, welches in der Scheide einer Silikonhülle getragen wird und alle halbe Stunde die Temperatur misst. Damit kann man zum Beispiel einen super sauberen Temperaturverlauf ermitteln, ganz einfach am Computer auswerten und kann dann sehr genau seinen Eisprung ermitteln lassen. Allerdings muss man in der ersten Zyklushälfte zusätzlich Kondome verwenden, was man – wie ich finde – aber eh machen sollte, falls man nicht in einer Langzeitbeziehung ist, um Geschlechtskrankheiten vorzubeugen.

Die Kupferkette

Die Kupferkette hat meines Erachtens den großen Nachteil, dass sie in die Gebärmutter eingeschraubt wird und somit ein Fremdkörper ist, der im Gebärmutterkörper sitzt. Bei Frauen, die dazu eine Neigung haben, kann sie ungünstigerweise dazu führen, dass der Körper um die Kette sozusagen herumwächst und sie in den Bauchraum abgibt oder einfach nach draußen, sodass sie dann rausfällt.

Der Kupferball

Der Kupferball ist auch eine Möglichkeit. Er hat einen super kleinen Inserter, was die Sache wahrscheinlich sehr einfach macht. Ich habe ihn selber noch nie gelegt. Insofern weiß ich nicht, ob das leicht und gut geht bei jungen Mädchen.

Mein Tipp: Kupferball oder Kupferkette sollten nach Möglichkeit während der fruchtbaren Tage gelegt werden. Der Gebärmutterhals ist sehr hart während der Blutung und das Einsetzen ist dann entsprechend schwieriger und weitaus schmerzhafter. Der ideale Zeitpunkt ist also in etwa drei bis fünf Tage nach Ende der Menstruation.

Hashimoto und die Antibabypille

Das Mini T

Das Mini T ist eine ganz normale Spirale in mini. Der Inserter ist etwas größer als bei Kupferkette und Kupferball. Es ist viel billiger, aber nicht wesentlich schmerzhafter. Selbst bei den meisten Nullipara kann man das Mini T auch problemlos setzen.

Das Caya Diaphragma und die FamCap

Das Caya Diaphragma besteht aus Silikon. Es passt sich unter Wärme an die Körperstruktur der Frau an und ist kaum zu spüren – für den Partner meistens gar nicht und für die Frau recht wenig. Das Einsetzen erfordert ein wenig Übung.

Und dann gibt es die Portiokappe namens FemCap. Beim Einsetzen muss man relativ tief mit dem Finger und der Cap in die Scheide eindringen. Für junge Mädchen ist das erst einmal ungewohnt. Anschließend muss man den Sitz überprüfen. Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, ist die FamCap super und sehr sicher. Sie hat einen sehr guten Pearl-Index, bietet guten Schutz und ist beim Verkehr eigentlich nicht zu merken. Man kann sie fünf, sechs Stunden vorher einsetzen und acht Stunden später herausnehmen, sodass es auch keine Unterbrechung gibt, wenn man Kondome nicht möchte.

Insgesamt sind beide Möglichkeiten auch Verhütungsmethoden, die man zusätzlich zum NFP gut verwenden kann. Ich bin ein großer Freund von NFP und ich mache das selber auch schon, seitdem ich 22 bin.

Ich finde, dass NFP auch für jüngere Frauen durchaus eine sinnvolle und gute Methode ist. Es kann sehr nützlich sein, wenn man die Funktionen seines Körpers versteht und weiß: „Wann habe ich einen Eisprung? Wann bin ich fruchtbar? Wie fühle ich mich dann? Wie verändert sich mein Geruchssinn? Wie verändert sich zum Teil mein Verhalten? Warum bin ich jetzt so und so? Und liegt es am Eisprung und liegt es an dem und dem?

Was für Progesteron sollte man nehmen?

Man sollte immer wirklich Progesteron nehmen. Nicht irgendeinen andren Kram. Kein Duphaston und auf keinen Fall irgendein Gestagen. Denn das ist kein Progesteron. Das ist ein Gestagen. Es gibt nur ein Progesteron.

Es wird ganz oft erzählt, dass es künstlich wäre. Ja natürlich – es ist alles künstlich. Es sei denn, doch da bin ich mir nicht ganz sicher: Die Firma Kade in Berlin hat ganz lange immer Plazenten weltweit eingekauft und daraus Progesteron gewonnen. Das ist dann wirklich humanidentisches Progesteron beziehungsweise humanes Progesteron. Denn es wurde vom Menschen aus der Plazenta gewonnen. Die beiden Wirkstoffe wären Utrogest und Progestan. Es kann allerdings auch sein, dass diese inzwischen synthetisch hergestellt werden. Ich glaube aber, die werden immer noch aus Plazenta produziert.

Weiterhin kann man in diesem Zusammenhang Famenita nennen. Famenita enthält auch natürliches Progesteron. Und genauso chemisch exakt identisch entspricht es dem, was wir selber produzieren. Einziger Unterschied: Es wird Dienogest aus Yamswurzel gewonnen und dann chemisch verlängert.

Soll man das bei großen Myomen absetzen?

Unter dem starken Gestagen werden die Rezeptoren an der Gebärmutter blockiert. Dadurch erhofft man sich, dass das Myom nicht weiter wächst. Das klappt in manchen Fällen, in vielen aber auch nicht.

Tatsächlich sind Myome aber wahrscheinlich ein schon lange bestehender Progesteron-Mangel. Und wenn man Myome funktionell behandelt, gibt man relativ hochdosiert und auch dauerhaft über einen sehr langen Zeitraum Progesteron. In vielen Fällen erreicht man dadurch dann tatsächlich eine Schrumpfung des Myoms und eine deutliche Verbesserung der Erkrankung. Doch das muss im Einzelfall individuell entschieden werden. Wenn man ein Myom hat und einfach nur die Pille absetzt und nichts weiter anderes macht, dann besteht tatsächlich das Risiko, dass das Myom weiter wächst und man dadurch noch mehr Probleme bekommt.

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Über die Autorin

Simone Koch ist Expertin für Autoimmunerkrankungen. Sie beschäftigt sich vor allem mit Hashimoto und Darmerkrankungen. Zusätzlich entwickelt Sie neue Rezepte für Menschen mit Nahrungsmittelintoleranzen.

Disclaimer: Dr. Simone Koch ist auf diesem Blog nicht als Ärztin tätig. Sie führt hier keine Behandlungen oder Beratung von Patienten durch. Sie veröffentlicht hier ausschließlich Ihre eigene Meinung und Erfahrungen rund um Autoimmunerkrankungen. Die in diesen Beiträgen enthaltenen Informationen können keine Beratung durch einen Arzt ersetzen, und sind keine medizinischen Anweisungen. Die Informationen dienen der Vermittlung von Wissen. Die Umsetzung von Therapien und Behandlungsplänen sollte mit einem qualifizierten Therapeuten erfolgen.