Ich habe mir überlegt, heute etwas über Autoimmunerkrankungen und Proteine zu erzählen. Das Abnehmprogramm der Autoimmunhilfe ist sehr proteinhaltig und die mit Abstand am häufigsten gestellte Frage ist: „Simone, warum ist denn da so viel Protein enthalten, Protein ist doch so ungesund“. Aber wie kommt ihr darauf?

Was sind denn Proteine? Was sind Aminosäuren?

Jede Zelle, jedes Enzym, jeder Teil unseres Körpers, besteht im Wesentlichen aus Proteinen. Und deswegen ist auch eine der wesentlichen Funktionen unserer Zellen die Biosynthese, in der Proteine neu gefertigt werden. Jedes Enzym ist eine Kette von Proteinen. Die DNA ist eine Aneinanderreihung von bestimmten Aminosäuren. Das Leben, wir, sind im Prinzip Protein, also wir bestehen zu einem großen Teil aus Proteinen. Daher stellt sich mir die Frage, woher diese Idee kommt, dass Protein ungesund sei?

Tierisches Protein sei besonders ungesund, man könne das nicht ausscheiden, das schädigt die Nieren, das wäre nicht gut für die Leber – diese Aussagen hört man ganz oft.

Wenn man zu viel Protein zu sich nimmt und man bereits eine Nierenerkrankung oder eine Lebererkrankung hat, dann ist es tatsächlich so, dass es zum Überschuss an Ammoniak kommen kann und das Ammoniak führt dann zu einer Harnvergiftung und im schlimmsten Fall zu einer ammoniakbedingten Enzephalitis und im äußersten Fall kann man daran sterben. Dafür ist aber die Grundvoraussetzung, dass man entweder bereits eine Leberzirrhose oder in irgendeiner anderen Weise eine schwere Lebererkrankung oder eine Nierenerkrankung hat. Das heißt natürlich für jemanden, der eine Autoimmunerkrankung hat, die die Leber betrifft oder ähnliches, ist Protein etwas, mit dem man besonders vorsichtig sein muss und auch bei chronischen Nierenerkrankungen ist äußerste Vorsicht geboten.

Aber die meisten betrifft das ja nicht. Der Großteil hat keine chronische, schwere Lebererkrankung, bei der Proteine nicht mehr abgebaut werden können und die meisten haben auch keine Niereninsuffizienz. Gott sei Dank, toi toi toi. Und ansonsten werden diese Erkrankungen nicht durch Proteine ausgelöst. Es gibt keinen einzigen dokumentieren Fall, dass eine Nierenerkrankung durch Protein ausgelöst wurde.

Stickstoff wird häufig angesprochen. Es gibt die sogenannte Stickstoffbilanz. Man kann an der Menge vom Harnstoff, der ausgeschieden wird, feststellen, ob der Körper sich aktuell in einer anabolen oder katabolen Stoffwechsellage befindet. Das heißt, wenn du jetzt aktuell mehr Harnstoff ausscheidest als du zu dir nimmst, dann weist das darauf hin, dass du Muskelmasse oder Körpermasse an irgendeiner Stelle verlierst weil dein Körper das abbaut. Umgekehrt, wenn du weniger ausscheidest als du aufnimmst, dann weist das darauf hin, dass du dich in einer anabolen Stoffwechsellage befindest und dass du aufbaust. Das ist wenn der Bedarf gedeckt wird, den du an Proteinen hast. Damit man überhaupt mit zu viel Stickstoff zu kämpfen hat, der dann zusätzlich noch ausgeschieden werden muss, muss diese Isobalance erst einmal überschritten sein, das heißt, man muss deutlich mehr zu sich nehmen, als man überhaupt braucht und dann widmen wir uns mal gleich dem:

Wieviel Protein braucht man denn eigentlich?

Für gesunde Menschen wird 0,8 bis 1 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen. Für jemanden, der 60-65 Kilogramm schwer ist, sind das in etwa 65 Gramm Protein. Wie viel Protein finden wir ungefähr in was? Zum Beispiel enthält ein Stück Lachs von 125 Gramm in etwa 20 Gramm Protein und ein etwa Handteller großes Stück Hähnchenbrustfilet hat auch ungefähr 20 Gramm Protein oder 100 Gramm Magerquark/100 Gramm Skyr haben ebenfalls 20 Gramm Protein.

Das bedeutet, du musst schon eine ganze Menge von diesem ganzen Zeug essen, um überhaupt diese Proteinmenge zu decken. Nimmst du pflanzliche Proteine um den Bedarf zu decken, zum Beispiel Hülsenfrüchten, die ich sowieso nicht empfehlen würde aus anderen Gründen, dann musst du riesige Mengen davon essen. Im schlimmsten Fall leidest du dann unter Flatulenzen und Darmbeschwerden, der Darm wird undicht und so weiter, weil man diese großen Mengen Lektine und zum Teil unverdauliche Substanzen aus den Hülsenfrüchten zu sich genommen hat. Also diese Menge über pflanzliche Proteine zu decken ist extrem schwierig und auch bei einer Autoimmunerkrankung etwas fragwürdig, weil es mühsam ist, entsprechend passende Proteine zu nehmen.

Soja ist grundsätzlich nicht empfehlenswert bei Autoimmunerkrankungen im Allgemeinen, weil es ein Phytoöstrogen ist, weil es mit dem Hormonhaushalt herummacht, was bei Schilddrüsenerkrankungen zudem ungünstig ist. Soja blockiert die Schilddrüse teilweise langfristig und ist deswegen ungünstig. Also Soja fällt schon mal raus und Soja wäre ansonsten die wichtigste Quelle, die die meisten nutzen, um ihren Proteinbedarf zu decken, wenn sie keine tierischen Proteine zu sich nehmen.

Autoimmunerkrankungen – der Proteinbedarf ist höher

Für Menschen mit chronischen Erkrankungen, die einen erhöhten Verlust an Zellmaterial haben – dazu gehören eigentlich alle Autoimmunerkrankungen, weil wie der Name schon sagt, bei der Autoimmunerkrankung wird auto, also eigenes Gewebe zerstört, das heißt, es findet eine Zerstörung von Gewebe statt und dadurch ein höherer Reparatur- und Regenerationsprozess – ist der Proteinbedarf erhöht und zwar sogar nach den Empfehlungen der DGE, die ja sowieso immer eher so ein bisschen niedrig empfehlen, 1,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Das heißt, es kommt noch einmal die halbe Menge obendrauf. Das würde bedeuten, für jemanden wie mich, der eher klein ist, sind das schon allein 85 Gramm Protein. Da muss man dann schon ganz schön viel Protein essen, damit man das auf die Reihe kriegt. Jemand, der 80 bis 90 Kilo wiegt, hat es richtig schwer diesen Bedarf zu decken, das muss man erst einmal erreichen und wenn das nicht so ist, dann fällt derjenige eben in der Stickstoffbilanz in die katabole Lage, das heißt der Körper ist nicht in der Lage, weil er nicht ausreichend Protein zur Verfügung hat, die nötigen Regenerations- und Reparationsprozesse durchzuführen. Und ohne Regeneration und Reparation keinerlei Heilung, keine Verbesserung. Und das ist super essentiell und letztlich egal wen ihr konsultiert, ob es Izabella Wentz oder Terry Wahls ist. Elementarer Anteil des Wahls Protokolls ist eine Aufnahme von 120 – 150 Gramm Protein täglich. Das bedeutet, sie geht noch einmal ein ganzes Stückchen nach oben in ihren Empfehlungen, wobei sie 1,80 Meter ist, das darf man auch nicht vergessen, dass sie das für sich selbst entwickelt hat.

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Welche Proteine kannst zu dir nehmen, damit das vernünftig funktioniert?

Ungefähr 50-80 Prozent aller Menschen mit Hashimoto, das ist ziemlich genau untersucht, haben eine Milchunverträglichkeit und das bedeutet, dass alle Milchproteine schon mal rausfallen. Whey Protein, Kasein Protein kommen nicht in Frage und man muss nach Alternativen schauen. Man kann Hühnereiprotein nehmen, es hat sich aber gezeigt, dass selbst die, die Hühnerei gut vertragen, über die Zeit, wenn sie das sehr oft und sehr viel nehmen, eine Hühnereiunverträglichkeiten entwickeln, wenn sie sehr sehr viel essen, weil im Allgemeinen einfach Hühnerprotein schwer zu verstoffwechseln ist und es dann dazu kommen kann, das man Unverträglichkeiten entwickelt, wenn man große Mengen davon verzehrt.

Gleiches gilt leider für Beef Protein. Beef Protein ist eine ganz gute Quelle, weil es ein ganzheitliches Protein ist. Es schmeckt nicht besonders gut, also das kommt leider noch dazu und es ist eben ein tierisches Protein, das problematisch ist für Menschen, die aus ethischen Gründen keine tierischen Proteine zu sich nehmen möchten. Der Beef Protein ist im Vergleich zum Collagen ein ganzheitliches Protein und das ist ganz wichtig, es wird sehr viel im Augenblick Collagen verkauft als Proteinpulver über bestimmte Supplementfirmen, insbesondere aus dem Paleo-Bereich und wird als irgendetwas ganz tolles angepriesen. Das ist einfach nur gemahlener Rinderknorpel. Das ist Gelatine, nichts anderes und es ist ein unvollständiges Protein und damit ist es nicht möglich, allen Bedarf an essentiellen Aminosäuren zu decken. Wenn du das machen willst, nimm kein Collagen Protein, sondern ein gutes Beef Protein. Ich finde das Beef Protein extrem gewöhnungsbedürftig.

Hanf- und Erbsenprotein sind empfehlenwert

Besonders empfehlenswert und wo man in Studien keine Sensitivierung entdecken konnte, ist Hanf- und Erbsenprotein, die von Lektin gereinigt wurden. Lektin ist das, was den Darm reizen kann. Hanf hat einen sehr starken Eigengeschmack. Wer also mit Hanfprotein super klar kommt und er findet ein Hanfprotein, das von Lektin gereinigt wurde und damit insgesamt antiallergen ist, kann das sehr gerne verwenden. Es hat einen sehr starken Eigengeschmack, muss man mögen. Erbsenprotein hat einen relativ milden Geschmack. Es ist grundsätzlich von der Allergenvariante bei Autoimmunerkrankungen am empfehlenswerten.

Du hast gesagt, keine Hülsenfrüchte! Ja, das stimmt, das habe ich gesagt, aber man muss sich anschauen, um welche Stoffe in der Hülsenfrucht es geht. Es geht eben um die Lektine.

Diese Proteine, die ich empfehle, die antiallergen sind und die bereits zu 98 Prozent vom Dünndarm aufgenommen worden sind, sind lektinbefreit, also da wurde auf künstlichem Wege das Lektin entfernt. Das bedeutet, die haben diese Problematik nicht mit den Lektinen. Ja, im Autoimmunprotokoll sind Hülsenfrüchte exkludiert, aber, wenn es dabei eigentlich nur um die Lektine geht ist das doch egal, Hauptsache man nimmt ein Protein, was eine gute Versorgung hat und das finde ich immer besonders wichtig. Lasst euch nicht auf irgendeinen Fundamentalismus ein, lasst euch nicht von irgendeinem Guru erzählen, ihr müsst das und das machen ohne da irgendeinen Grund für zu kriegen. Überlegt euch „warum soll ich das nicht essen“. Diese lektinfreien Proteine gibt es noch nicht lange, die sind erst im letzten Jahr entwickelt worden, also das ist eine supercoole Sache, womit ihr euren Proteinbedarf decken könnt, auch wenn ihr keine tierischen Proteine zu euch nehmen möchtet oder wenn ihr eben Milchprodukte nicht vertragt.

Reisprotein ist möglich, ist aber nicht komplett lektingereinigt

Die Reisproteine habe ich vorher immer empfohlen, bevor es diese gereinigten Erbsenproteine gab.

Eiweiß aus Fisch ist fantastisch, Meeresfrüchteeiweiß und Fischeiweiß ist das, was vom menschlichen Körper am besten verdaut werden kann. Wer keine Fischallergie oder Meeresfrüchteallergie hat, sollte möglichst häufig darauf zurückgreifen. Problematisch sind aber die Schwermetalle. Fische enthalten einfach im hohen Maße Schwermetalle und es ist auch etwas, das ich einfach ganz klar korrelieren kann bei Patienten in den Blutuntersuchen, dass die Leute, die sehr viel Fisch essen, immer einen erhöhten Quecksilberspiegel haben. Ich gehöre auch dazu, ich esse sehr gerne Fisch und sehr viel Fisch. Dann muss man für sich einfach abwägen, das hängt dann auch vielleicht davon ab, wenn man weiß, dass man irgendwelche Polymorphismen hat, ist Schwermetall ein großes Problem oder nicht. Jemand, der bestimmte Polymorphismen hat und dann riesige Mengen Fisch zu sich nimmt, für den kann das sehr ungünstig sein. Ansonsten ist es empfehlenswert. Inzwischen gibt es ja auch Fisch aus Aquakulturen, die vom Meer quasi getrennt sind, wo dann eben keine hohen Quecksilberbelastungen zu erwarten sind, das ist eine gute Möglichkeit.

Hashimoto und die Sache mit den Proteinen

Wie verhält es sich mit selbstgezogenen Sprossen?

Wenn man Buchweizen, Quinoa, Luzerne, Hirse usw. keimen lässt, wird durch den Keimungsprozess ein Großteil der Lektine und Prolamine zerstört aber nicht alles. Das heißt, du kriegst weiterhin eine Lektinbelastung und wenn du empfindlich bist oder wenn bei dir vielleicht eine Kreuzallergie gegenüber Gluten vorhanden ist, dann kann es sein, dass es zu Kreuzallergenitäten aus Quinoa, aus Buchweizen, aus Hirse kommt. Wenn das nicht getestet wurde, weil es nicht völlig prolaminfrei ist. Plus, das ist das, was ich am Anfang gesagt habe, du musst gigantische Massen davon essen, um damit deinen Proteinbedarf zu decken. Also wenn du sonst kein Fleisch, kein Fisch und sowas alles isst, dann ist es einfach sehr schwierig.

Menschen mit Autoimmunerkrankungen haben einen sehr hohen Proteinbedarf. Die Idee, wenig Protein zu sich zu nehmen sei in irgendeiner Form gesund, ist schlicht und ergreifend totaler Unsinn.

Ich war selbst eine ganze Zeit lang vegan. Und ich weiß nicht, ob das „vegane Propaganda“ ist oder ob das einfach etwas Fehlverstandenes ist. Ich verstehe es nicht, denn es macht eigentlich keinen Sinn, wenn man sich das mit dem logischen Menschenverstand überlegt. Und wenn man eben aus Fleisch die Giftstoffe meiden will, dann muss man entweder sehr gutes Biofleisch kaufen – am besten von einem Bauern, den man kennt und wo man die Qualität einschätzen kann. Nichtsdestotrotz, je größer das Tier – selbst wenn es auf einer Biowiese steht ist es so, dass es sein kann, dass es Giftstoffe anlagert. Also auch das Hochlandrind von einer Weide, wenn es auch in der Nähe von der Autobahn ist und da kommen ja dann auch Giftstoffe drauf und das Tier hat einfach über sein Leben lang Giftstoffe angelagert. Das heißt, mit einem Erbsen- oder einem Hanfprotein fährt man eventuell, was die Giftstoffbelastung angeht, besser, wenn man das aus biologischem Anbau kauft.

Das ist ein Bauer meines Vertrauens: Er heißt Erich Degreif und das ist die Grassbeef Company hier in Berlin und ich glaube, die liefern auch woanders hin.

Wenn ihr irgendwas nicht versteht dann fragt nach! Glaubt nicht jeden Mist, den irgendwer irgendwo erzählt und macht nicht irgendetwas nur weil XY gesagt hat, ihr dürft das nicht essen oder ihr dürft jenes nicht machen. Weil vieles ändert sich einfach auch und entwickelt sich weiter. Als das Autoimmunprotokoll entwickelt wurde gab es zum Beispiel noch keine lektinbefreiten Proteine. Das heißt, damals hat das absolut Sinn gemacht. Jetzt macht es nicht mehr soviel Sinn und dann muss man sich kein Beefprotein antun, wenn man auch etwas Leckereres zu sich nehmen kann.

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