Warum ist Ernährung bei Autoimmunerkrankungen überhaupt so wichtig? Das gilt nicht nur für die Hashimoto-Thyreoiditis, sondern im Prinzip für alle Autoimmunerkrankungen.

Autoimmunerkrankungen gehen zu einem ganz großen Anteil mit einem sogenannten Leaky Gut einher. Ich habe vor Kurzem eine Umfrage in einer Facebook-Gruppe gesehen, in der gefragt wurde, welche zusätzlichen Beschwerden und Probleme die Erkrankten noch haben. Immerhin 40 Prozent aller Befragten haben gesagt, dass sie zusätzlich Darm Permeabilitätsstörungen, Unverträglichkeiten von Lebensmitteln und grundsätzlich Probleme mit dem Darm haben.

Unser Darm ist nur mit einer einzigen Schicht von Zellen, den sogenannten Enterozyten überzogen, die eigentlichen mit Tight-Junctions fest zusammensitzen und wenn der auseinander weicht, kommt es zu Löchern und daraus resultierend kommt es zum sogenannten Leaky Gut. Fremdstoffe können in den Körper eindringen und wenn das Immunsystem sowieso schon hyperreagibel ist und auf alles Mögliche reagiert, dann reagiert es auch auf diese Fremdstoffe sehr stark. Und das kann immer wieder ein Trigger sein, der das Immunsystem dann wieder hochpuscht. Das extrem hochgepuschte Immunsystem greift dann wiederum körpereigene Strukturen an und bestimmte Nahrungsmitteltrigger ähneln den körpereigenen Stoffen so stark, dass sich Antikörper ausbilden, die dann körpereigenes Gewebe angreifen.

Was kann man jetzt tun,

um dieses Leaky Gut zu schließen bzw. den Darm zur Heilung zu bringen und so viele entzündliche Stoffe aus der Ernährung rausnehmen wie irgendwie möglich? Ein besonders wichtiger Punkt sind die Lektine bzw. die Prolamine. Lektine kommen in fast allen Nahrungsmitteln vor, auch in Gemüse, aber nicht alle sind problematisch. Stark problematisch sind die Prolamine aus dem Getreide. Ebenfalls enorm problematisch, zumindest für viele, sind auch die Lektine in Hülsenfrüchten. Die Verträglichkeit von Lektinen ist je nach ethischer Zugehörigkeit sehr unterschiedlich. In der indischen Bevölkerung zum Beispiel, ist die Verträglichkeit für Lektine erheblich größer als in der europäischen Bevölkerung. Das hat einfach etwas mit traditionellen Ernährungsformen zu tun. Lektine können sich durch sehr langes Kochen inaktivieren lassen doch teilweise sind sie auch hitzestabil.

Die Prolamine finden wir im Getreide. Sie sind im Keim des Getreides und enthalten dessen Erbinformation. Das am besten erforschte Prolamin ist das Gluten, das auch am meisten Probleme bei Autoimmunerkrankungen und bei Immunerkrankungen an sich verursacht. Aber auch Hordein, Avenin, Saponin und verschiedene andere können problematisch sein. Secaline im Roggen können ebenfalls kritisch sein und Probleme verursachen. Das bedeutet insgesamt, dass man beides meiden sollte: Lektine und Prolamine. Daher keine Hülsenfrüchte und kein Getreide – zumindest in der ursprünglichen Form, das ist sehr wichtig.

Es ist jedoch bei jedem ganz unterschiedlich und muss individuell gesehen werden. Der eine hat vielleicht mit Avenin, dem Prolamin aus dem Hafer, überhaupt kein Problem. Jemand anderes verträgt das Orzenin (Prolamin aus dem Reis) und beim nächsten kann es eine totale Katastrophe sein, der kommt weder mit Reis noch mit Hafer zurecht. Die Verträglichkeit muss man also individuell für sich herausfinden. Aber in der Ursprungsphase, und das hat Sarah Ballantyne sich teilweise als Muster für das Autoimmunprotokoll genommen, lässt man eigentlich alles weg, was tendenziell proentzündlich ist und in der Ursprungsphase eben alle Prolamine und möglichst alle Lektine, also keine Hülsenfrüchte, kein Getreide.

Was kann außerdem noch problematisch sein?

Bedenklich können auch Phytinsäuren sein, sogenannte Antinährstoffe. Phytinsäuren binden an Mineralien und sorgen dafür, dass der Körper diese nicht aufnehmen kann. Das wird zum Teil sehr kritisch bei Chron, bei Magnesium und bei der Eisenaufnahme. Vor allen Dingen ist es schwierig, wenn nicht genug Magensäure vorhanden ist. Die Magensäure spaltet die Phytinsäuren von dem Mineralstoff ab, so dass der Mineralstoff wieder aufgenommen werden kann.

Warum ist Magensäure beim Hashimoto Patienten so ein großes Thema?
Die autoimmune Gastritis ist eine sehr häufige Co-Erkrankung der Hashimoto-Thyreoiditis, die an sich nicht viele Beschwerden macht außer zum Teil erhebliche Mineralstoff- und Mikronährstoffmängel, weil der Magen das nicht mehr vernünftig aufnehmen kann. Sodbrennen und Magenschmerzen können Symptome sein, muss aber nicht unbedingt. Viele haben also auch einfach eine autoimmune Pangastritis, ohne irgendwelche Beschwerden zu haben, außer zum Teil erhebliche Mikronährstoffmängel.

Und noch ein weiterer Punkt sind Verdauungshemmer.
Verdauungshemmer (Proteasehemmer) finden sich vor allen Dingen in der Schale von Saaten. Die Saat möchte schließlich nicht verdaut, sondern mit dem Kot wieder ausgeschieden werden um dann keimen und wachsen zu können. Die Bauchspeicheldrüse versucht sich immer ganz stark an der Verdauung und puscht darein und versucht, diese Saaten zu verdauen, schafft es aber nicht und das kann zu Durchfällen führen. Zusätzlich kann es passieren, dass körpereigenes Gewebe angedaut und verdaut wird. Dadurch kommt es zu einer sehr starken Reizung des Darms. Deswegen ist die Überlegung, in der Startphase, wenn man starke Probleme mit dem Darm hat und wenn die Hashimoto sehr aktiv ist und sehr starke Schübe da sind, Saaten wegzulassen nicht falsch.

Zusammengefasst haben wir als erste Gruppe die Prolamine und Lektine, dann die Phytinsäuren und die Verdauungshemmer, die alle proentzündlich sind und Schwierigkeiten verursachen können und eventuell weggelassen werden sollten.

Mehr zum Thema Hashimoto und Ernährung erfahrt ihr in Teil 2.

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