Eine Frage, die regelmäßig gestellt wird, lautet: „Wann sollte man in der Einnahme T3 hinzufügen?“. Denn normalerweise gibt man ja nur Thyroxin, das körpereigene Hormon T4.

Warum heißt das überhaupt T4? Das Ganze besteht aus vier Jod-Atomen, die miteinander verbunden sind und jeweils mit einer niedrigeren Zahl – T2 hat nur zwei Jod-Atome, T3 hat nur drei Jod-Atome und so weiter. Und L-Thyroxin gibt man normalerweise. Und das ist auch ganz wichtig, um das mal klarzustellen: Ja, das wird synthetisch hergestellt aber von der Strukturformel entspricht das dem körpereigenen Hormon Thyroxin, an die eben noch eine L-Gruppe angehängt ist. Aber ansonsten ist es chemisch identisch. Das Problem ist, dass da eine ganze Menge Beistoffe enthalten sind. Zum Beispiel ist im sehr beliebten L-Thyroxin von Henning, Rizinusöl enthalten. Im Webinar über Ernährung bei Autoimmunerkrankung habe ich bereits etwas zur Rizinuspflanze gesagt.

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Die Rizinuspflanze ist hochgradig problematisch, was Leaky Gut und chronisch entzündliche Darmerkrankungen angeht und ist deswegen für viele einfach unverträglich und führt immer wieder dazu, dass der Darm gestört wird, dass Leaky Gut verstärkt wird und dass dann immer wieder Fremdproteine reinkommen. Schaue dir gern das Live-Video beziehungsweise diesen Beitrag an. Hier habe ich erklärt, warum es problematisch ist, wenn Fremdproteine in den Körper eindringen.

Warum gibt man ausschliesslich Thyroxin bei?

Von unserer Schilddrüse wird normalerweise auch fast nur Thyroxin produziert, nämlich zu ca. 95 Prozent. Bei manchen auch mehr. Irgendwo zwischen 95 und 98 Prozent liegt die Produktion an T4. Eigentlich sollte es keine Rolle spielen, T3 von außen zuzuführen, weil die Schilddrüse produziert ja normalerweise auch kein T3. Und diese verschwindend geringen drei, vier, fünf Prozent – das sollte ja nicht so relevant sein, könnte man meinen. Weil manchmal wird gesagt: „Bei Hashimoto ist ja die Schilddrüse quasi bei vielen fast vollständig zerstört.“ oder: „Ich habe gar keine Schilddrüse mehr.“ Das ist ja auch bei ganz vielen so. Entweder wurde die Schilddrüse aufgrund von Morbus Basedow oder aufgrund von einer nicht einstellbaren Hashimoto entfernt oder eben einfach wegen Knoten, einer starken Struma nodosa oder sogar wegen Schilddrüsenkarzinom. Dann wurde die Schilddrüse entfernt und dann wird oft gesagt: „Ja, ich habe gar keine Schilddrüse mehr, also muss ich auf jeden Fall T2 und T3 zuführen. Weil meine Schilddrüse produziert das ja nicht mehr.“ Das ist korrekt, auf jeden Fall richtig, also die Schilddrüse produziert das wirklich nicht mehr. Aber diese verschwindend geringen Prozentzahlen, die die Schilddrüse normalerweise produzieren würde, fallen tatsächlich relativ wenig ins Gewicht. Warum kann es trotzdem sein, dass du als Autoimmunerkrankter viel zu wenig T3 hast? Und warum ist das sogar sehr wahrscheinlich, dass dem so ist?

Das ist zunächst einmal Thema Darm. Mal wieder – natürlich. Die Mikroflora des Darms ist verantwortlich für ungefähr 20 Prozent der Konversion von T4 in T3. Das macht die gastrointestinale Sulfatase und die sorgt hier im Darm für die Umsetzung. Das ist einer der Gründe, warum nach einer Antibiotika-Therapie – ich hatte heute eine Patientin, die da gerade ganz extrem darunter leidet – die Konversion plötzlich völlig zusammenbricht und man oft ganz müde und erschöpft ist und sich total mies fühlt. Weil das Mikrobiom stark beeinträchtigt wurde und dadurch die Konversion eben auch stark beeinträchtigt wird. Also das ist einer der Punkte: Darm.

Dann ist die Leber der nächste Punkt. Da hatten wir ja auch schon in einem anderen Live-Beitrag drüber gesprochen und über genetische Polymorphismen, die dazu führen, dass bestimmte Umwandlungsprozesse oder insgesamt die Prozesse der Leber beeinträchtigt laufen. 60 Prozent der Konversion erfolgt in der Leber. Das heißt, insgesamt, wenn dein Stoffwechsel verlangsamt läuft. Und zum anderen: Wenn du bestimmte Leberfunktionsstörungen hast, dann funktioniert auch dieser Mechanismus deutlich schlechter.

Die intrazelluläre Ansprechbarkeit für T3, also dass T3 da überhaupt rein kann, ist oft eingeschränkt. Das heißt, du bist auf einen höheren T3-Spiegel angewiesen als jemand gesundes. In einem Patientenkollektiv hat sich eingebürgert, dass man sagt: „Okay, man sollte versuchen bei 75 Prozent zu sein“. Statistisch gesehen ist jemand gesundes in etwa bei 50 Prozent mit dem T3, hat also einen niedrigeren Spiegel bei wahrscheinlich besserem Befinden. Das bedeutet, es braucht einen höheren T3-Anteil, um wirklich den Effekt zu erzielen, den man gerne haben möchte.

Und der letzte Bereich ist die Konversion in der Endzelle. Und auch das ist oft eingeschränkt durch Nährstoffmängel, die ja auch bei Autoimmunerkrankungen deutlich häufiger auftreten. Wenn du etwas mehr dazu wissen möchtest, schau gerne einmal in die anderen Blogartikel rein. Da gibt es einen guten Artikel über Mikronährstoffe bei Autoimmunerkrankungen und warum das so oft ein Problem ist, auch bei einer guten und ausgewogenen Ernährung. Es gibt häufig Mangelzustände und das führt dann dazu, dass auch wieder vermindert T4 in T3 im peripheren Gewebe umgesetzt wird, in der Effektor oder an der Effektorzelle selber. Hier am wichtigsten zu nennen: Zink, Selen und Vitamin A. Das sind so ganz wesentliche Punkte hier.

Das sind die Gründe, warum Menschen mit Autoimmunerkrankungen oder chronisch Erkrankte oft Probleme mit der Konversion haben. Und dann kommt es zu sogenannten Konversionsstörungen – das heißt, dass T4 extrem höher ist als T3.

Es gibt noch den Sonderfall, wo es Probleme mit reversem T3 gibt. Aus T4 wird unter normalen Umständen 80 Prozent in T3 umgewandelt und 20 Prozent in reverses T3. Reverses T3 hat eine viel längere Halbwertszeit als T3. Und da kann man sich relativ klar überlegen: Wenn dieses Verhältnis aus der Bahn kommt, also wenn plötzlich mehr reverses T3 produziert wird als T3, dann gerät alles aus der Bahn. Weil die den gleichen Rezeptor benutzen und reverses T3 blockiert dann den Rezeptor. Menschen, die diese Problematik haben, haben eventuell auch einen deutlich erhöhten Bedarf an T3, um die Rezeptoren wieder freizubekommen und dieses ungute Verhältnis, was sich da entwickelt hat, auszugleichen. Das sind die Gründe, warum eventuell T4 zugeführt werden muss, auch wenn die Basis gar nicht in der Schilddrüse liegt.

Es ist nicht so, dass, weil du keine Schilddrüse mehr hast oder weil deine Schilddrüse zerstört ist, du ja zusätzlich eventuell T3 brauchst, sondern es ist so, dass verschiedenste andere Mechanismen auch dysfunktional sind und nicht richtig funktionieren und es deswegen sein kann, dass du zu einer Konversionsstörung neigst, zu wenig T3 aus T4 produzierst und deswegen einfach mit T4 alleine nicht zum Wohlbefinden kommst. Und das gilt für einen relativ großen Prozentsatz. Es gibt eine Studie dazu, in der gesagt wird, dass 75 Prozent aller Leute unter einer T4-only-Therapie symptomlos wären. Das bedeutet, 25 Prozent sind es nicht und haben auf jeden Fall erhebliche Symptome. Mit meinem Patientenklientel würde ich sagen, ist es deutlich mehr. Das kann aber ein sehr starker Bias sein, weil das natürlich auch die Leute sind, die sich da eben melden und die da Probleme mit haben und beschäftigt sind.

Schilddrüsenhormon T3 - der Motor jeder Zelle

Wann solltest du T3 dazunehmen?

Wenn du unter T4-only kein Wohlbefinden hast, wenn du eindeutig auch auf laborchemisch eine Konversionsstörung hast, sprich wenn das T4 sehr hoch ist aber das T3 sehr niedrig, dann kann der Körper das offensichtlich nicht umsetzen. Möglicherweise auch, wenn das T3 sehr hoch ist und das T4 eher mittelprächtig und du trotzdem überhaupt kein Wohlbefinden hast und dich sehr schwach und schlapp fühlst. Denn dann kann es eine Problematik mit reversem T3 sein. Das sind die Hauptgründe, die zuerst betrachtet werden sollten.

Braucht man unbedingt T3, wenn man super umwandelt und einen sehr guten T3-Spiegel hat?

Nein. Nicht jeder braucht es zwingend. Aber aufgrund dieser ganzen Problematiken, die ich genannt habe, und weil auch die Nebenniere eine große Rolle spielt. Wenn erst einmal zu wenig T3 da ist – die Nebenniere ist in ganz großem Maße T3-abhängig – dann wird die Nebennierenfunktion ganz stark eingeschränkt. Dadurch werden ganz viel andere Sachen wieder schlechter. Die Hormonlage wird schlechter. Es kommt zu einem Pregnenolon Stealing. Dann sind weniger Steroid-Hormone einher. Worauf ich hinaus will ist: It´s all connected – das greift alles ineinander. Und wenn du an der Stelle eben vielleicht auch kurzfristig nicht genug zur Verfügung hast, kann es sein, dass der ganze Mechanismus extrem dekompensiert und es einfach deutlich schlechter wird. Genau das ist einer der Gründe, warum manche der Meinung sind, man sollte doch jemanden mit einer Autoimmunerkrankung und einer Hashimoto-Thyreoiditis von Anfang an entsprechend auch mit T3 substituieren. Es gibt nämlich Leute mit angeborenen Schilddrüsenaplasien, die haben keine Schilddrüse. Die sind von Anfang an ohne Schilddrüse geboren. Sie sind oft teilweise ein ganzes Leben lang völlig stabil unter einer reinen L-Thyroxin-Therapie. Also es ist nicht alles immer schwarz und weiß.

Ich sage das auch immer wieder in meinen ganzen Vorträgen: es ist nicht immer alles schwarz und weiß, es gibt auch noch etwas dazwischen. In einem Beitrag bei Instagram hatte ich zum Thema Kaffee geschrieben. Denn man kann nicht immer sagen: „Das ist böse. Das darf man auf keinen Fall. Und das ist gut. Das hilft jedem.“ Weil das gibt es im Prinzip nicht.

NDT (Natural Desiccated Thyroid) in Kombination mit L-Thyroxin

Es gibt eine finnische Studie, die nachgewiesen hat, dass bei Herzproblemen, bei Problemen mit zu schnellem und zu starkem Herzschlag und Herz-Rhythmus-Störungen eine Unterstützung mit L-Thyroxin sehr hilfreich sein kann. Ansonsten gibt es da eben nicht viel mehr dazu. Auch da wieder: Wer unter NDT allein kein Wohlbefinden erreicht und sich einfach nicht wohlfühlt und schon das Gefühl hat, es ist ein Einstellungsproblem, dem würde ich raten, es mal mit einer Kombination zu versuchen und nicht fundamentalistisch und dogmatisch zu sein und zu sagen: „Das muss und das muss.“ Weil am Ende finde ich: Der Patient hat immer Recht. Und das ist das Entscheidende. Wir wollen ein möglichst gutes Wohlbefinden erreichen. Natürlich nicht, indem man irgendwie irgendwelche Drogen nimmt. Aber in der Gesundheit möglichst Wohlbefinden.

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